Min­der schwe­rer Fall – und der gesetz­lich ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund

Sieht das Gesetz einen min­der schwe­ren Fall vor und ist – wie hier gemäß § 27 Abs. 2 S. 2, § 49 Abs. 1 StGB – auch ein gesetz­lich ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund gege­ben, muss bei der Straf­rah­men­wahl im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung nicht nur geprüft wer­den, ob die all­ge­mei­nen Mil­de­rungs­grün­de die Annah­me eines min­der schwe­ren Fal­les tra­gen.

Min­der schwe­rer Fall – und der gesetz­lich ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund

Dies ist viel­mehr nur der ers­te Schritt. Ver­mö­gen die all­ge­mei­nen Mil­de­rungs­grün­de die Annah­me eines min­der schwe­ren Fal­les zu tra­gen, ste­hen die den gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de für eine (wei­te­re) Straf­rah­men­mil­de­rung nach § 49 StGB zur Ver­fü­gung.

Ist nach einer Abwä­gung aller all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­um­stän­de das Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Falls abzu­leh­nen, sind in die wei­te­re Prü­fung die den gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de ein­zu­be­zie­hen.

Erst wenn der Tatrich­ter danach wei­ter­hin kei­nen min­der schwe­ren Fall für gerecht­fer­tigt hält, darf er sei­ner kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung den (allein) wegen des gege­be­nen gesetz­lich ver­typ­ten Mil­de­rungs­grun­des gemil­der­ten Regel­straf­rah­men zugrun­de legen 1.

Indem das Gericht für die Ver­nei­nung eines min­der schwe­ren Falls ledig­lich all­ge­mei­ne Straf­zu­mes­sungs­grün­de wür­digt, ver­säumt es die Prü­fung, ob nicht wegen Vor­lie­gens des ver­typ­ten Mil­de­rungs­grun­des nach § 27 Abs. 2 S. 2 StGB ein min­der schwe­rer Fall des § 29a Abs. 2 BtMG vor­liegt, der einen dem Ange­klag­ten güns­ti­ge­ren Straf­rah­men eröff­net.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. August 2016 – 1 StR 331/​16

  1. std. Rspr., vgl. BGH, Beschluss vom 11.02.2015 – 1 StR 629/​14, NStZ 2015, 696[]