Min­der schwe­rer Fall – und die Über­prü­fung der Straf­zu­mes­sung

Die Straf­zu­mes­sung ist grund­sätz­lich Sache des Tatrich­ters. Es ist sei­ne Auf­ga­be, auf der Grund­la­ge des umfas­sen­den Ein­drucks, den er in der Haupt­ver­hand­lung von der Tat und der Per­sön­lich­keit des Täters gewon­nen hat, die wesent­li­chen ent­las­ten­den und belas­ten­den Umstän­de fest­zu­stel­len, sie zu bewer­ten und hier­bei gegen­ein­an­der abzu­wä­gen.

Min­der schwe­rer Fall – und die Über­prü­fung der Straf­zu­mes­sung

Einen Ein­griff des Revi­si­ons­ge­richts in die­se Ein­zel­ak­te der Straf­zu­mes­sung ist nur mög­lich, wenn die Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen in sich feh­ler­haft sind, wenn das Tat­ge­richt gegen recht­lich aner­kann­te Straf­zwe­cke ver­stößt oder wenn sich die ver­häng­te Stra­fe nach oben oder unten von ihrer Bestim­mung löst, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein. Dage­gen ist eine ins Ein­zel­ne gehen­de Rich­tig­keits­kon­trol­le aus­ge­schlos­sen [1].

Das gilt auch inso­weit, als die tatrich­ter­li­che Annah­me oder Ver­nei­nung eines min­der schwe­ren Fal­les zur revi­si­ons­ge­richt­li­chen Prü­fung steht [2].

Eine erschöp­fen­de Auf­zäh­lung aller in Betracht kom­men­den Erwä­gun­gen ist weder vor­ge­schrie­ben noch mög­lich. Dar­aus, dass ein für die Straf­zu­mes­sung bedeut­sa­mer Umstand nicht ange­führt wor­den ist, kann nicht ohne wei­te­res geschlos­sen wer­den, der Tatrich­ter habe ihn über­haupt nicht gese­hen oder nicht gewer­tet [3]. Was als wesent­li­cher Straf­zu­mes­sungs­grund anzu­se­hen ist, ist unter Berück­sich­ti­gung der Beson­der­hei­ten des Ein­zel­falls vom Tatrich­ter zu ent­schei­den [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. März 2017 – 4 StR 196/​16

  1. BGH, Beschluss vom 10.04.1987 – GSSt 1/​86, BGHSt 34, 345, 349[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 31.07.2014 – 4 StR 216/​14 mwN[]
  3. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 20.04.2004 aaO; vom 12.05.2005 – 5 StR 86/​05; und vom 02.08.2012 – 3 StR 132/​12, NStZ-RR 2012, 336, 337[]
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 02.08.2012 – 3 StR 132/​12, NStZ-RR 2012, 336; und vom 12.05.2016 – 4 StR 487/​15, NJW 2016, 2349, 2351[]