Min­der schwe­re BTM-Fäl­le – und der ein­schlä­gi­ge Strafrahmen

Der 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs schließt sich der Recht­spre­chung an, wonach aus­schließ­lich die Straf­rah­men­un­ter­gren­ze des § 29a Abs. 1 BtMG eine Sperr­wir­kung ent­fal­tet, die Straf­rah­men­ober­gren­ze jedoch dem § 30a Abs. 3 BtMG zu ent­neh­men ist, wenn zwar ein min­der schwe­rer Fall gemäß § 30a Abs. 3 BtMG, nicht aber ein sol­cher gemäß § 29a Abs. 1 BtMG vor­liegt; an sei­ner abwei­chen­den Auf­fas­sung hält er nicht mehr fest1.

Min­der schwe­re BTM-Fäl­le – und der ein­schlä­gi­ge Strafrahmen

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat das Land­ge­richt den Ange­klag­ten wegen bewaff­ne­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in Tat­ein­heit mit Füh­ren einer halb­au­to­ma­ti­schen Kurz­waf­fe zum Ver­schie­ßen von Patro­nen­mu­ni­ti­on zu einer Frei­heits­stra­fe von vier Jah­ren und zwei Mona­ten ver­ur­teilt2. Die auf die Rüge der Ver­let­zung mate­ri­el­len Rechts gestütz­te Revi­si­on führt zu dem aus der Beschluss­for­mel ersicht­li­chen Teil­erfolg; im Übri­gen ist sie unbe­grün­det im Sin­ne von § 349 Abs. 2 StPO.

Das Land­ge­richt hat die Stra­fe dem Straf­rah­men von einem Jahr bis zu 15 Jah­ren Frei­heits­stra­fe ent­nom­men. Es hat nach einer Gesamt­wür­di­gung aller Straf­zu­mes­sungs­ge­sichts­punk­te einen min­der schwe­ren Fall im Sin­ne des § 30a Abs. 3 BtMG bejaht. Das Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Falls nach § 29a Abs. 2 BtMG hat es hin­ge­gen abge­lehnt. Des­halb ist es mit Blick auf die bis­he­ri­ge Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs3 von einer Sperr­wir­kung sowohl der Straf­rah­meno­ber- als auch der Straf­rah­men­un­ter­gren­ze des § 29a Abs. 1 BtMG ausgegangen.

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An die­ser hält der 3. Straf­se­nat vor dem Hin­ter­grund der abwei­chen­den Recht­spre­chung der übri­gen Straf­se­na­te des Bun­des­ge­richts­hofs4, wonach aus­schließ­lich die Straf­rah­men­un­ter­gren­ze des § 29a Abs. 1 BtMG eine Sperr­wir­kung ent­fal­tet, die Straf­rah­men­ober­gren­ze jedoch dem § 30a Abs. 3 BtMG zu ent­neh­men ist, wenn zwar ein min­der schwe­rer Fall gemäß § 30a Abs. 3 BtMG, nicht aber ein sol­cher gemäß § 29a Abs. 1 BtMG vor­liegt, nicht mehr fest. Er schließt sich viel­mehr die­ser Recht­spre­chung an.

Der Straf­aus­spruch beruh­te im hier ent­schie­de­nen Fall auf der danach rechts­feh­ler­haf­ten Bestim­mung der Straf­rah­men­ober­gren­ze. Es ist im Hin­blick auf die Höhe der ver­häng­ten Frei­heits­stra­fe nicht aus­zu­schlie­ßen, dass das Land­ge­richt bei Anwen­dung eines Straf­rah­mens von einem Jahr bis zehn Jah­ren Frei­heits­stra­fe eine gerin­ge­re Stra­fe ver­hängt hätte.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Sep­tem­ber 2020 – 3 StR 469/​19

  1. Auf­ga­be BGH, Beschlüs­se vom 25.07.2013 – 3 StR 143/​13; vom 03.02.2015 – 3 StR 632/​14; Urteil vom 07.09.2017 – 3 StR 278/​17[]
  2. LG Han­no­ver, Urteil vom 07.06.2019 – 6031 Js 107197/​18 96 KLs 4/​19[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 25.07.2013 – 3 StR 143/​13, NStZ 2014, 164, 165 f.; vom 03.02.2015 – 3 StR 632/​14; Urteil vom 07.09.2017 – 3 StR 278/​17[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 07.11.2017 – 1 StR 515/​17 3; vom 14.08.2013 – 2 StR 143/​13, juris; vom 26.09.2019 – 4 StR 133/​19 7; Urteil vom 12.02.2015 – 5 StR 536/​14 5; jeweils mwN[]

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