Min­der schwe­rer Fall – und die Straf­be­mes­sung

Die Straf­be­mes­sung ist grund­sätz­lich Sache des Tatrich­ters, in die das Revi­si­ons­ge­richt nur bei Vor­lie­gen eines Rechts­feh­lers ein­grei­fen darf. Ein sol­cher kann etwa dann gege­ben sein, wenn die Begrün­dung für die ver­häng­te Stra­fe dem Revi­si­ons­ge­richt die ihm oblie­gen­de sach­lich­recht­li­che Nach­prü­fung nicht ermög­licht, die Erwä­gun­gen des Tatrich­ters in sich feh­ler­haft sind oder die Stra­fe sich von ihrer Bestim­mung, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein, nach oben oder unten löst [1].

Min­der schwe­rer Fall – und die Straf­be­mes­sung

Das gilt auch, soweit die tatrich­ter­li­che Annah­me oder Ver­nei­nung eines min­der schwe­ren Fal­les zur revi­si­ons­ge­richt­li­chen Prü­fung steht [2].

Gemäß § 46 Abs. 2 Satz 1 StGB hat das Gericht die Umstän­de gegen­ein­an­der abzu­wä­gen, die für und gegen den Täter spre­chen. Dies bedeu­tet indes nicht, dass jeder der­ar­ti­ge Umstand der aus­drück­li­chen Erör­te­rung in den Urteils­grün­den bedarf und dass die Nicht­er­ör­te­rung stets einen Rechts­feh­ler begrün­det. Das Gericht ist viel­mehr ledig­lich ver­pflich­tet, in den Urteils­grün­den die für die Straf­zu­mes­sung bestim­men­den Umstän­de dar­zu­le­gen (§ 267 Abs. 3 Satz 1 StPO); eine erschöp­fen­de Auf­zäh­lung aller Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen ist weder vor­ge­schrie­ben noch mög­lich. Was als wesent­li­cher Straf­zu­mes­sungs­grund anzu­se­hen ist, ist unter Berück­sich­ti­gung der Beson­der­hei­ten des Ein­zel­falls vom Tatrich­ter zu ent­schei­den [3].

Dar­an gemes­sen war im hier ent­schie­de­nen Fall für den Bun­des­ge­richts­hof weder die Annah­me des Land­ge­richts, es lie­ge ein sonst min­der schwe­rer Fall im Sin­ne von § 213 Alt. 2 StGB vor, noch die Bemes­sung der Straf­hö­he als rechts­feh­ler­haft zu bean­stan­den:

Zur Begrün­dung der Annah­me eines min­der schwe­ren Fal­les hat das Land­ge­richt eine Gesamt­be­wer­tung aller bedeut­sa­men Umstän­de vor­ge­nom­men [4]. Bei sei­ner Wür­di­gung hat es kei­ne wesent­li­chen und bestim­men­den Umstän­de unbe­rück­sich­tigt gelas­sen. Es hat zu Guns­ten des Ange­klag­ten gewer­tet, dass er sich „im Wesent­li­chen“ gestän­dig ein­ge­las­sen hat, die dau­er­haft beein­träch­ti­gen­de Ehe­si­tua­ti­on zu einer psy­chi­schen Labi­li­sie­rung und mög­li­cher­wei­se sogar zu einem Dro­gen­rück­fall geführt hat­te, der Tatent­schluss nach Ent­täu­schung über die Nicht­rück­kehr sei­ner Ehe­frau spon­tan gefasst wor­den war und der Ange­klag­te nach der Tat, wenn auch auf Auf­for­de­rung sei­ner Ehe­frau, einen Not­ruf getä­tigt hat­te. Zu sei­nen Las­ten hat es ledig­lich ange­führt, dass der Ange­klag­te, wenn auch nicht ein­schlä­gig mit Delik­ten gegen Leib und Leben, mehr­fach vor­ver­ur­teilt ist. Auf die­ser Grund­la­ge ist die Beja­hung eines min­der schwe­ren Fal­les revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Die genann­ten Umstän­de hat das Land­ge­richt auch bei der kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung gegen­ein­an­der abge­wo­gen. Dass es inso­weit in den Urteils­grün­den die Straf­zu­mes­sungs­kri­te­ri­en nicht noch­mals wie­der­holt, son­dern auf die vor­an­ge­gan­ge­ne Auf­zäh­lung ver­wie­sen hat, stellt kei­nen Rechts­man­gel dar.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. April 2015 – 3 StR 638/​14

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 02.08.2012 – 3 StR 132/​12, NStZ-RR 2012, 336, 337; KK-Kuck­ein, StPO, 7. Aufl., § 267 Rn. 25 mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 26.07.2006 – 1 StR 150/​06, NStZ-RR 2006, 339, 340; vom 31.07.2014 – 4 StR 216/​14 4[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 02.08.2012 – 3 StR 132/​12, NStZ-RR 2012, 336, 337[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 25.11.2008 – 3 StR 484/​08, NStZ-RR 2009, 139; S/S‑E­ser/­Stern­berg-Lie­ben, StGB, 29. Aufl., § 213 Rn. 13 f. mwN[]