Miss­brauch wider­stands­un­fä­hi­ger Per­so­nen

Nach § 179 Abs. 1 StGB in der bis zum 9.11.2016 gel­ten­den Fas­sung mach­te sich straf­bar, wer eine Per­son, die aus den in der Norm näher genann­ten Umstän­den zum Wider­stand unfä­hig war, dadurch miss­brauch­te, dass er unter Aus­nut­zung der Wider­stands­un­fä­hig­keit sexu­el­le Hand­lun­gen an ihr vor­nahm oder an sich von ihr vor­neh­men ließ.

Miss­brauch wider­stands­un­fä­hi­ger Per­so­nen

Als wider­stands­un­fä­hig galt, wer – wenn auch nur vor­über­ge­hend – gänz­lich unfä­hig war, einen zur Abwehr aus­rei­chen­den Wider­stands­wil­len gegen das an ihn her­an­ge­tra­ge­ne sexu­el­le Ansin­nen zu bil­den, zu äußern oder durch­zu­set­zen.

Die Fest­stel­lung der Wider­stands­un­fä­hig­keit erfor­der­te eine nor­ma­ti­ve Ent­schei­dung, die der Tatrich­ter auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung zu tref­fen hat­te, in wel­che auch das aktu­el­le Tat­ge­sche­hen und etwai­ge Beein­träch­ti­gun­gen des Tat­op­fers durch die Tat­si­tua­ti­on ein­zu­be­zie­hen waren 1.

Eine Wider­stands­un­fä­hig­keit konn­te danach nicht schon ohne nähe­re Begrün­dung auf die Fest­stel­lung einer geis­ti­gen Behin­de­rung und dar­aus resul­tie­ren­de all­ge­mei­ne Kom­pe­tenz­män­gel gestützt wer­den 2.

Soll­te der Tatrich­ter zu der Über­zeu­gung gelan­gen, dass sich die Ange­klag­ten nach § 179 Abs. 1, Abs. 5 Nr. 1 StGB in der bis zum 9.11.2016 gel­ten­den Fas­sung gege­be­nen­falls in Ver­bin­dung mit § 27 StGB straf­bar gemacht haben, wird bei der Prü­fung der Fra­ge, ob der mit Wir­kung zum 10.11.2016 neu gefass­te § 177 StGB, der ins­be­son­de­re in den Abs. 1, 2 Nrn. 1 und 2 sowie Abs. 4 Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen zu § 179 StGB ent­hält, das nach § 2 Abs. 3 StGB mil­de­re Gesetz dar­stellt, von ihm zu beach­ten sein, dass es inso­weit auf eine kon­kre­te Betrach­tungs­wei­se ankommt 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Janu­ar 2018 – 4 StR 597/​17

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 09.05.2017 – 4 StR 366/​16, NStZ-RR 2017, 240, 241; Beschluss vom 16.05.2017 – 3 StR 43/​17, NStZ 2018, 33; Urteil vom 15.03.1989 – 2 StR 662/​88, BGHSt 36, 145, 147 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 01.10.2008 – 2 StR 385/​08, NStZ-RR 2009, 14; Beschluss vom 26.01.2005 – 2 StR 456/​04, NStZ-RR 2005, 172, 173; Beschluss vom 01.04.2003 – 4 StR 96/​03, NStZ 2003, 602, 603[]
  3. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 30.08.2017 – 4 StR 345/​17; Beschluss vom 09.05.2017 – 4 StR 366/​16, NStZ-RR 240, 241 f.; Beschluss vom 16.05.2017 – 3 StR 43/​17, NStZ 2018, 33; Beschluss vom 04.04.2017 – 3 StR 524/​16, NStZ-RR 2017, 242[]