Miss­hand­lung Schutz­be­foh­le­ner – und die Gefahr einer erheb­li­chen Schä­di­gung der kör­per­li­chen oder see­li­schen Ent­wick­lung

Der Ver­bre­chens­tat­be­stand des § 225 Abs. 3 Nr. 2 StGB setzt vor­aus, dass der Täter die schutz­be­foh­le­ne Per­son durch die Tat, also durch eine Tat­hand­lung im Sin­ne von § 225 Abs. 1 StGB, in die kon­kre­te Gefahr einer erheb­li­chen Schä­di­gung der kör­per­li­chen oder see­li­schen Ent­wick­lung bringt.

Miss­hand­lung Schutz­be­foh­le­ner – und die Gefahr einer erheb­li­chen Schä­di­gung der kör­per­li­chen oder see­li­schen Ent­wick­lung

Ent­schei­dend ist danach, dass eine der in § 225 Abs. 1 StGB umschrie­be­nen tat­be­stand­li­chen Hand­lun­gen die nahe­lie­gen­de Mög­lich­keit begrün­det, sie wer­de zu den in den Alter­na­ti­ven des § 225 Abs. 3 StGB genann­ten Wei­te­run­gen füh­ren.

Dabei erfor­dert die in Num­mer 2 genann­te erheb­li­che Ent­wick­lungs­schä­di­gung in Anleh­nung an § 171 StGB (§ 170d StGB aF), dass der nor­ma­le Ablauf des kör­per­li­chen oder see­li­schen Ent­wick­lungs­pro­zes­ses dau­ernd oder nach­hal­tig gestört ist 1.

Han­delt es sich um eine Unter­las­sungs­tat, so begrün­det der Täter die tat­be­stand­lich vor­aus­ge­setz­te kon­kre­te Gefahr, wenn er deren Ent­ste­hen durch sein Ein­grei­fen hät­te abwen­den kön­nen 2.

Der Tat­be­stand kann auch dann ver­wirk­licht wer­den, wenn in der Per­son des Schutz­be­foh­le­nen bereits vor der Tat Schä­den oder die Gefahr von Schä­den im Sin­ne der Qua­li­fi­ka­ti­on gemäß § 225 Abs. 3 StGB bestan­den haben. Zur Her­vor­ru­fung der für den qua­li­fi­zier­ten Fall vor­aus­ge­setz­ten Gefah­ren ist es dann aber erfor­der­lich, dass die Tat die Gefahr ver­ur­sacht, die bereits vor­han­de­nen oder zu befürch­ten­den Schä­den in erheb­li­chem Maße zu ver­grö­ßern bzw. die wegen einer bereits gege­be­nen indi­vi­du­el­len Scha­dens­dis­po­si­ti­on bestehen­den Gefah­ren mess­bar zu stei­gern 3. In sub­jek­ti­ver Hin­sicht ist bezüg­lich der Ver­ur­sa­chung der tat­be­stand­li­chen Gefah­ren des qua­li­fi­zier­ten Fal­les zumin­dest beding­ter Vor­satz erfor­der­lich 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. August 2016 – 4 StR 340/​16

  1. BGH, Urteil vom 23.07.2015 – 3 StR 633/​14, NStZ-RR 2015, 369, 370; BGH, Urteil vom 20.04.1982 – 1 StR 50/​82, NStZ 1982, 328 f. zu § 170d StGB aF[]
  2. BGH, Urteil vom 23.07.2015 aaO[]
  3. BGH aaO mwN[]
  4. BGH aaO[]