Miss­hand­lung Schutz­be­foh­le­ner – Quä­len oder rohes Miss­han­deln?

Zur Aus­le­gung der Bege­hungs­for­men des Quä­lens und des rohen Miss­han­delns und zum Ver­hält­nis der bei­den Vari­an­ten zuein­an­der

Miss­hand­lung Schutz­be­foh­le­ner – Quä­len oder rohes Miss­han­deln?

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 wird das Tat­be­stands­merk­mal des Quä­lens im Sin­ne von § 225 Abs. 1 StGB – im Unter­schied zur Vari­an­te der rohen Miss­hand­lung – typi­scher­wei­se durch die Vor­nah­me meh­re­rer Kör­per­ver­let­zungs­hand­lun­gen ver­wirk­licht, die für sich genom­men den Tat­be­stand des § 225 Abs. 1 StGB noch nicht erfül­len, sofern erst die stän­di­ge Wie­der­ho­lung den gegen­über § 223 StGB gestei­ger­ten Unrechts­ge­halt aus­macht 2.

Aller­dings muss der Tatrich­ter dazu auf der Grund­la­ge der getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen in einer Gesamt­be­trach­tung prü­fen, ob sich die ein­zel­nen Kör­per­ver­let­zungs­hand­lun­gen zu einer als Quä­len zu bezeich­nen­den Tat­hand­lung zusam­men­fü­gen. Regel­mä­ßig wird es dabei erfor­der­lich sein, dass sich die ein­zel­nen Gewalt­hand­lun­gen als ein äußer­lich und inner­lich geschlos­se­nes Gesche­hen dar­stel­len, wobei räum­li­che und situa­ti­ve Zusam­men­hän­ge, zeit­li­che Dich­te oder eine sämt­li­che Ein­zel­ak­te prä­gen­de Gesin­nung als mög­li­che Indi­ka­to­ren her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. August 2016 – 4 StR 340/​16

  1. vgl. u.a. BGH, Beschluss vom 19.01.2016 – 4 StR 511/​15, NStZ 2016, 472; BGH, Urteil vom 23.07.2015 – 3 StR 633/​14, NStZ-RR 2015, 369, 370 f.[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 19.01.2016 aaO; vom 24.02.2015 – 4 StR 11/​15, BGHR StGB § 225 Abs. 1 Miss­hand­lung 1; und vom 20.03.2012 – 4 StR 561/​11, NStZ 2013, 466, 467; vgl. auch BGH, Urteil vom 17.07.2007 – 5 StR 92/​07, BGHR StGB § 225 Miss­hand­lung 2[]
  3. BGH, Beschluss vom 24.02.2015 aaO[]