Miss­hand­lung von Schutz­be­foh­le­nen – und das Schüt­teln als rohe Miss­hand­lung

Eine rohe Miss­hand­lung im Sin­ne des § 225 Abs. 1 StGB ist anzu­neh­men, wenn der Täter einem ande­ren eine Kör­per­ver­let­zung aus gefühl­lo­ser Gesin­nung zufügt, die sich in erheb­li­chen Hand­lungs­fol­gen äußert 1, wobei sich die­se Tatal­ter­na­ti­ve – anders als das Quä­len – auf ein ein­zel­nes Kör­per­ver­let­zungs­ge­sche­hen bezieht.

Miss­hand­lung von Schutz­be­foh­le­nen – und das Schüt­teln als rohe Miss­hand­lung

Eine sol­che für die rohe Miss­hand­lung not­wen­di­ge gefühl­lo­se Gesin­nung liegt nur vor, wenn der Täter bei der Miss­hand­lung das not­wen­dig als Hem­mung wir­ken­de Gefühl für das Lei­den des Miss­han­del­ten ver­lo­ren hat, das sich bei jedem mensch­lich und ver­ständ­lich Den­ken­den ein­ge­stellt haben wür­de 2.

Den engen zeit­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen dem Schrei­en und dem unmit­tel­bar dar­auf fol­gen­den Schüt­teln des Klein­kin­des durch den Vater mit mas­sivs­ter Gewalt aus einem rela­tiv nich­ti­gen Anlass, ohne dass es – anders als im Fall des BGH-Beschluss vom 28.02.2007 3 – zuvor zu einem dau­er­haf­ten Ein­wir­ken auf das Ner­ven­kos­tüm des Vaters mit einer beson­ders belas­ten­den Situa­ti­on der Über­for­de­rung über einen län­ge­ren Zeit­raum gekom­men war, darf als Zei­chen dafür gewer­tet wer­den, dass der Vater bei der Tat­aus­füh­rung das als Hem­mung wir­ken­de Gefühl für das Lei­den sei­nes Soh­nes ver­lo­ren hat­te. Er han­del­te mit­hin aus gefühl­lo­ser Gesin­nung, was eine rohe Miss­hand­lung kenn­zeich­net 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. März 2018 – 1 StR 404/​17

  1. BGH, Urteil vom 23.07.2015 – 3 StR 633/​14, NStZ-RR 2015, 369, 370 f.; Beschlüs­se vom 19.01.2016 – 4 StR 511/​15, NStZ 2016, 472; vom 28.02.2007 – 5 StR 44/​07, NStZ 2007, 405; und vom 22.04.1997 – 4 StR 140/​97 Rn. 8 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 23.07.2015 – 3 StR 633/​14, NStZ-RR 2015, 369, 371 und Beschluss vom 28.02.2007 – 5 StR 44/​07, NStZ 2007, 405; Stree/­Stern­berg-Lie­ben in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 225 Rn. 13[]
  3. BGH, Beschluss vom 28.02.2007 – 5 StR 44/​07, NStZ 2007, 405, Rn. 8[]
  4. vgl. BGH aaO Rn. 6[]