Mit runtergelassenen Hosen – oder: wenn das Opfer flieht…

Fehlgeschlagen ist ein Versuch, wenn die Tat nach Misslingen des zunächst vorgestellten Tatablaufs mit den bereits eingesetzten oder anderen naheliegenden Mitteln objektiv nicht mehr vollendet werden kann und der Täter dies erkennt oder (subjektiv) die Vollendung nicht mehr für möglich hält.

Mit runtergelassenen Hosen - oder: wenn das Opfer flieht…

Dabei kommt es auf die Sicht des Täters nach Abschluss der letzten Ausführungshandlung an (Rücktrittshorizont). Wenn der Täter zu diesem Zeitpunkt erkennt oder die subjektive Vorstellung hat, dass es zur Herbeiführung des Erfolgs eines erneuten Ansetzens bedürfte, etwa mit der Folge einer zeitlichen Zäsur und einer Unterbrechung des unmittelbaren Handlungsfortgangs, liegt ein Fehlschlag vor1.

Die Feststellungen zu einem Fehlschlag des Vergewaltigungsversuchs waren in dem hier vom Bundesgerichtshof beurteilten Fall nach dessen Ansicht nicht hinreichend beweiswürdigend unterlegt: Das Landgericht hat zwar festgestellt, der Angeklagte habe erkannt, dass sein Vorhaben gescheitert sei, da er der Geschädigten aufgrund der bis zu den Knieen heruntergelassenen Hose nicht sofort folgen konnte. Dass der Angeklagte eine Vollendung im unmittelbaren Handlungsfortgang nicht mehr für möglich hielt, hat es allerdings weder in der Beweiswürdigung noch in der rechtlichen Würdigung näher belegt. Denn der Angeklagte hat sich ausweislich der Urteilsgründe dahingehend eingelassen, er habe “der Frau nicht gleich folgen können und habe dann beschlossen, von seinem Vorhaben, mit der Geschädigten “Sex” zu haben, abzulassen”

Daraus ergibt sich aber nicht eindeutig, dass der Angeklagte das Vorhaben im unmittelbaren Handlungsfortgang für endgültig gescheitert hielt. Die Formulierung kann vielmehr auch dahin verstanden werden, dass der Angeklagte die – ihm weiterhin möglich erscheinende – Vollendung der Tat aufgrund eines autonomen Entschlusses aufgegeben hat. Der Bundesgerichtshof vermag auch dem Gesamtzusammenhang der Urteilsgründe nicht zu entnehmen, aufgrund welcher Umstände das Landgericht zu der Annahme gelangt ist, der Angeklagte sei davon ausgegangen, dass zur Herbeiführung des Erfolgs ein erneutes Ansetzen erforderlich sei. So fehlen insbesondere konkrete Feststellungen zu den örtlichen und zeitlichen Verhältnissen in der Situation, als die Geschädigte sich von dem Angeklagten losgerissen hat, in die Dunkelheit geflohen ist und sich hinter Mülltonnen verborgen hat, sowie zu den Handlungsmöglichkeiten des Angeklagten in dieser Situation.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 28. Mai 2018 – 1 StR 169/18

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 11.03.2014 – 1 StR 735/13, NStZ-RR 2014, 201, 202 sowie Urteil vom 25.10.2012 – 4 StR 346/12, NStZ 2013, 156, 157 f. jeweils mwN []