Mit­glied­schaft in einer aus­län­di­schen ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung – und die Vor­be­rei­tung einer schwe­ren staats­ge­fähr­den­den Gewalt­tat

Die Straf­tat der Vor­be­rei­tung einer schwe­ren staats­ge­fähr­den­den Gewalt­tat (§ 89a Abs. 1 und 2 StGB) wird nicht im Wege der Geset­zes­kon­kur­renz durch die Straf­bar­keit wegen der Mit­glied­schaft in einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung gemäß § 129a Abs. 1, § 129b Abs. 1 StGB ver­drängt 1.

Mit­glied­schaft in einer aus­län­di­schen ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung – und die Vor­be­rei­tung einer schwe­ren staats­ge­fähr­den­den Gewalt­tat

Die Annah­me von Geset­zes­ein­heit wür­de der Klar­stel­lungs­funk­ti­on des Schuld­spruchs nicht gerecht, der das gesam­te tat­be­stands­mä­ßi­ge Unrecht einer Tat zum Aus­druck brin­gen soll 2.

Bei­den Straf­tat­be­stän­den ist zwar die Vor­ver­la­ge­rung des Straf­rechts­schut­zes in das Vor­be­rei­tungs­sta­di­um von Straf­ta­ten gemein­sam. Gleich­wohl sind der Anwen­dungs­be­reich und der Straf­grund der Vor­schrif­ten nicht deckungs­gleich: Die §§ 129 ff. StGB sol­len die erhöh­te kri­mi­nel­le Inten­si­tät erfas­sen, die in der Grün­dung und Fort­füh­rung einer fest­ge­füg­ten Orga­ni­sa­ti­on ihren Aus­druck fin­det, wel­che kraft der ihr inne­woh­nen­den Eigen­dy­na­mik eine erhöh­te abs­trak­te Gefähr­lich­keit für wich­ti­ge Güter der Gemein­schaft mit sich bringt. Die­se grö­ße­re Per­so­nen­zu­sam­men­schlüs­se kenn­zeich­nen­de Eigen­dy­na­mik hat ihre beson­de­re Gefähr­lich­keit dar­in, dass sie geeig­net ist, dem ein­zel­nen Betei­lig­ten die Bege­hung von Straf­ta­ten zu erleich­tern und bei ihm das Gefühl per­sön­li­cher Ver­ant­wor­tung zurück­zu­drän­gen 3.

Dem­ge­gen­über erfasst § 89a StGB beson­de­re Gefähr­dungs­la­gen, die durch kon­kret umschrie­be­ne Hand­lun­gen begrün­det wer­den und die der Gesetz­ge­ber unab­hän­gig von der Ein­bin­dung des Täters in eine ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gung als – schon vor Ein­tritt in das Ver­suchs­sta­di­um der geplan­ten Straf­tat – straf­be­dürf­tig ein­ge­stuft hat 4. Die Ver­wirk­li­chung der­ar­ti­ger Hand­lun­gen setzt eine mit­glied­schaft­li­che Betä­ti­gung im Sin­ne von § 129a StGB nicht vor­aus; hier­nach bedarf es zudem auch nicht der – von § 89a StGB impli­zier­ten – spä­te­ren Betei­li­gung an der vor­be­rei­te­ten Tat.

In sub­jek­ti­ver Hin­sicht tritt hin­zu, dass der Täter bei Vor­nah­me der in § 89a Abs. 2 StGB nor­mier­ten Vor­be­rei­tungs­hand­lung bereits zur Bege­hung der schwe­ren staats­ge­fähr­den­den Gewalt­tat fest ent­schlos­sen sein muss; beding­ter Vor­satz bezüg­lich des "Ob" der Bege­hung einer schwe­ren staats­ge­fähr­den­den Gewalt­tat genügt – anders als im Fall von § 129a Abs. 1, § 129b Abs. 1 StGB – nicht 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. August 2016 – 3 StR 466/​15

  1. AnwK-StG­B/Ga­ze­as, 2. Aufl., § 89a Rn. 78; SK-StG­B/­Zöl­ler, 132. Lfg., § 89a Rn. 45; S/S‑­Stern­berg-Lie­ben, StGB, 29. Aufl., § 89a Rn. 24; aA OLG Mün­chen, Urteil vom 15.07.2015 – 7 St 4/​14 (7) – StV 2016, 505, 506; Kauffmann, Das Gesetz zur Ver­fol­gung der Vor­be­rei­tung schwe­rer staats­ge­fähr­den­der Gewalt­ta­ten, S. 140 f.[]
  2. vgl. etwa BGH, Urteil vom 30.03.1995 – 4 StR 768/​94, BGHSt 41, 113, 116 mwN[]
  3. st. Rspr., vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 11.10.1978 – 3 StR 105/​78, BGHSt 28, 147, 148 f.; vom 21.10.2004 – 3 StR 94/​04, BGHSt 49, 268, 271; vom 28.10.2010 – 3 StR 179/​10, BGHSt 56, 28, 31; Beschluss vom 17.12 2014 – StB 10/​14, NJW 2015, 1032, 1033 mwN[]
  4. vgl. BT-Drs. 16/​12428, S. 12, 15[]
  5. BGH, Urteil vom 08.05.2014 – 3 StR 243/​13, BGHSt 59, 218, 239 f.[]