Mit­tä­ter, Gehil­fe – und die Zurech­nung spä­te­ren frem­den Han­delns

Bei Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen, von denen nicht jede sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le ver­wirk­licht, ist Mit­tä­ter, wer sei­nen eige­nen Tat­bei­trag so in die Tat ein­fügt, dass er als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint.

Mit­tä­ter, Gehil­fe – und die Zurech­nung spä­te­ren frem­den Han­delns

Stets muss sich die­se Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len [1].

Vor­aus­set­zung für die Zurech­nung spä­te­ren frem­den Han­delns als eige­nes mit­tä­ter­schaft­li­ches Tun ist ein zumin­dest kon­klu­den­tes Ein­ver­neh­men der Mit­tä­ter.

Als Gehil­fe wird gemäß § 27 Abs. 1 StGB bestraft, wer vor­sätz­lich einem ande­ren zu des­sen vor­sätz­lich began­ge­ner rechts­wid­ri­ger Tat Hil­fe leis­tet. Die­se Hil­fe­leis­tung muss sich auf die Bege­hung der Haupt­tat zwar nicht kau­sal aus­wir­ken; erfor­der­lich ist aber, dass sie die Haupt­tat zu irgend­ei­nem Zeit­punkt zwi­schen Ver­suchs­be­ginn und Been­di­gung in irgend­ei­ner Wei­se erleich­tert oder för­dert [2].

Die blo­ße Anwe­sen­heit am Tat­ort in Kennt­nis einer Straf­tat reicht selbst bei deren Bil­li­gung nicht für die Annah­me einer psy­chi­schen Bei­hil­fe aus [3]. Die Hil­fe­leis­tung im Sin­ne des § 27 Abs. 1 StGB kann zwar auch in der Bil­li­gung der Tat bestehen, wenn sie gegen­über dem Täter zum Aus­druck gebracht und die­ser dadurch in sei­nem Tatent­schluss bestärkt wird und der Gehil­fe sich des­sen bewusst ist. Das setzt vor­aus, dass der die Tat unmit­tel­bar Aus­füh­ren­de den Ange­klag­ten und des­sen Bil­li­gung eines Tötungs­de­likts wahr­ge­nom­men hat und dadurch in sei­nem Tatent­schluss bestärkt oder ihm zumin­dest ein erhöh­tes Sicher­heits­ge­fühl ver­mit­telt wur­de.

In dem hier ent­schie­de­nen Fall sah der Bun­des­ge­richts­hof, wenn schon nicht eine Behil­fe zum Mord, so doch – neben der Betei­li­gung an einer Schlä­ge­rei (§ 231 Abs. 1 StGB – eine Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge (§ 227 StGB) als gege­ben, die nach dem Weg­fall der Ver­ur­tei­lung wegen Mor­des nicht mehr zurück­tritt:

Die töd­li­chen Mes­ser­sti­che wur­den durch die vor­sätz­lich began­ge­ne, gemein­schaft­li­che gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung ver­ur­sacht. Nach den Fest­stel­lun­gen erfolg­ten sie im Rah­men des Kampf­ge­sche­hens, das durch einen plötz­li­chen Angriff der äußerst aggres­siv gestimm­ten und sich in Über­zahl befin­den­den Angrei­fer eröff­net wor­den war, nach­dem sie ihre Geg­ner umzin­gelt hat­ten. Dar­in war die spe­zi­fi­sche Gefahr einer Eska­la­ti­on mit töd­li­chem Aus­gang ange­legt. Der hin­sicht­lich der qua­li­fi­zie­ren­den Tat­fol­ge erfor­der­li­chen Vor­her­seh­bar­keit steht dabei nicht ent­ge­gen, dass der Ange­klag­te vor dem Beginn des Kampf­ge­sche­hens nichts von dem Mit­füh­ren eines Mes­sers gewusst hat­te. Denn es reicht für die Erfül­lung der sub­jek­ti­ven Fahr­läs­sig­keits­kom­po­nen­te aus, wenn der Täter die Mög­lich­keit des Todes­er­folgs im Ergeb­nis hät­te vor­aus­se­hen kön­nen. Einer Vor­aus­seh­bar­keit aller Ein­zel­hei­ten des zum Tode füh­ren­den Gesche­hens­ab­laufs bedarf es nicht [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Febru­ar 2016 – 1 StR 344/​15

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 29.09.2015 – 3 StR 336/​15, NStZ-RR 2016, 6 f.; und vom 02.07.2008 – 1 StR 174/​08, NStZ 2009, 25, 26; Urteil vom 17.10.2002 – 3 StR 153/​02, NStZ 2003, 253, 254[]
  2. st. Rspr.; BGH, Beschluss vom 09.07.2015 – 2 StR 58/​15, NStZ-RR 2015, 343, 344; Urteil vom 16.01.2008 – 2 StR 535/​07, NStZ 2008, 284 mwN[]
  3. vgl. dazu BGH, Urteil vom 24.10.2001 – 3 StR 237/​01, NStZ 2002, 139, 140 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 10.06.2009 – 2 StR 103/​09, NStZ-RR 2009, 309, 310[]