Mit­tä­ter oder Gehil­fe beim "Enkel­trick"?

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung hat eine Abgren­zung zwi­schen täter­schaft­li­chen Hand­lun­gen und Bei­hil­fe­hand­lun­gen nach all­ge­mei­nen Regeln im Rah­men einer wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung zu erfol­gen [1].

Mit­tä­ter oder Gehil­fe beim

Dabei sind wesent­li­che Anhalts­punk­te für die Täter­schaft

  • der Grad des Tat­in­ter­es­ses,
  • der Umfang der Tat­be­tei­li­gung,
  • die Tat­herr­schaft und
  • der Wil­le dazu [2].

Vor dem Hin­ter­grund, dass sich in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Tat­bei­trag des Ange­klag­ten K. nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts in den ihn betref­fen­den drei Fäl­len dar­auf beschränk­te, den jewei­li­gen sog. "Abho­ler" zu den Geschä­dig­ten zu fah­ren, ohne aber selbst bei der Ent­ge­gen­nah­me der Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de an den Woh­nun­gen der Geschä­dig­ten betei­ligt gewe­sen zu sein, wäre eine sol­che wer­ten­de Gesamt­wür­di­gung hier erfor­der­lich gewe­sen [3].

Dies gilt ins­be­son­de­re auch vor dem Hin­ter­grund, dass der Ange­klag­te K. nach den bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen nur einen Fahr­auf­trag hat­te und in kei­ner­lei kon­kre­tem Kon­takt mit dem Abho­ler stand sowie der Groß­teil der von den Geschä­dig­ten über­las­se­nen Ver­mö­gens­wer­te in unmit­tel­ba­rem zeit­li­chen Zusam­men­hang an die Hin­ter­män­ner wei­ter­ge­lei­tet wer­den muss­te. Dabei kann fer­ner Bedeu­tung erlan­gen, dass der Ange­klag­te K. nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts auch mehr­fach ver­such­te, tele­fo­nisch den Kon­takt zu einem Hin­ter­mann in der Tür­kei her­zu­stel­len, und die­sem gegen­über "Inter­es­se an einer inten­si­ve­ren Tat­be­tei­li­gung" äußer­te. Die Sache bedarf daher inso­weit neu­er tat­ge­richt­li­cher Wür­di­gung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. April 2020 – 1 StR 104/​20

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 10.01.2019 – 1 StR 640/​18 Rn. 5; und vom 08.01.2013 – 5 StR 606/​12 Rn. 3; Urteil vom 28.02.2007 – 2 StR 516/​06, BGHSt 51, 219 Rn. 6 ff.[]
  2. BGH, Beschluss vom 05.04.2016 – 3 StR 554/​15 Rn. 4[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 06.08.2019 – 3 StR 189/​19 Rn. 6 f.; vom 19.04.2018 – 3 StR 638/​17 Rn. 9 f.; und vom 28.11.2017 – 3 StR 266/​17 Rn. 10 f.[]