Mit­tä­ter – und der jewei­li­ge objek­ti­ve Tat­bei­trag

Mit­tä­ter­schaft im Sin­ne des § 25 Abs. 2 StGB setzt einen gemein­sa­men Tatent­schluss vor­aus, auf des­sen Grund­la­ge jeder Mit­tä­ter einen objek­ti­ven Tat­bei­trag leis­ten muss.

Mit­tä­ter – und der jewei­li­ge objek­ti­ve Tat­bei­trag

Bei der Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen, von denen nicht jede sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le ver­wirk­licht, ist Mit­tä­ter, wer sei­nen eige­nen Tat­bei­trag so in die Tat ein­fügt, dass die­ser als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint.

Mit­tä­ter­schaft erfor­dert dabei zwar nicht zwin­gend eine Mit­wir­kung am Kern­ge­sche­hen selbst; aus­rei­chen kann auch ein die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­der Bei­trag, der sich auf eine Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung beschränkt.

Stets muss sich die­se Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len. Ob ein Betei­lig­ter ein so enges Ver­hält­nis zur Tat hat, hat der Tatrich­ter auf­grund einer wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung aller fest­ge­stell­ten Umstän­de zu prü­fen. Wesent­li­che Anhalts­punk­te kön­nen dabei der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Tat­er­folg, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le zur Tat­herr­schaft sein, so dass die Durch­füh­rung und der Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch vom Wil­len des Betref­fen­den abhän­gen 1.

Gemes­sen hier­an begeg­ne­te in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Annah­me mit­tä­ter­schaft­li­chen Han­delns des Ange­klag­ten durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken. Allein die fest­ge­stell­te vor­he­ri­ge Kennt­nis des Ange­klag­ten von der Tat und sein Wil­le, die­se als gemein­sa­me anzu­se­hen, kann eine Mit­tä­ter­schaft nicht begrün­den 2.

Soweit das Land­ge­richt in den fest­ge­stell­ten Tat­bei­trä­gen des Ange­klag­ten – der im Vor­feld der Tat erfolg­ten Zusa­ge, das ers­te der ent­wen­de­ten Kraft­fahr­zeu­ge zu über­neh­men und nach Litau­en zu über­füh­ren sowie der unmit­tel­bar nach der Ent­wen­dung des ers­ten Fahr­zeugs erfolg­ten Über­nah­me und des Fahrt­an­tritts in Rich­tung Litau­en – die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­de Tat­bei­trä­ge ange­se­hen hat, begeg­net dies zwar für sich genom­men kei­nen Beden­ken. Das Land­ge­richt hat jedoch nicht erkenn­bar geprüft, ob der an einer Kreu­zung in Tat­ort­nä­he war­ten­de Ange­klag­te Tat­herr­schaft oder jeden­falls den Wil­len zur Tat­herr­schaft hat­te. Dies ver­stand sich vor­lie­gend in Anse­hung aller Umstän­de des Ein­zel­falls nicht von selbst. Hin­zu tritt, dass der Tatrich­ter nicht erkenn­bar in sei­ne Erwä­gun­gen ein­be­zo­gen hat, dass der Ange­klag­te sich nach Über­ga­be des ers­ten Fahr­zeugs mit die­sem vom Tat­ort ent­fernt hat und die Aus­füh­rung der wei­te­ren Dieb­stäh­le – soweit ersicht­lich – sei­nem Ein­fluss und sei­nem Wil­len ent­zo­gen waren. Zwar hat das Land­ge­richt – im recht­li­chen Ansatz­punkt zutref­fend – in sei­ne Erwä­gun­gen ein­ge­stellt, dass der Ange­klag­te ein erheb­li­ches eige­nes Tat­in­ter­es­se hat­te, und dies damit begrün­det, dass er "für den Abtrans­port des ers­ten Fahr­zeugs" eine Ent­loh­nung in Höhe von 500, 00 € erhal­ten soll­te. Damit ist ein erheb­li­ches Eigen­in­ter­es­se des Ange­klag­ten an der Ent­wen­dung auch der bei­den wei­te­ren Kraft­fahr­zeu­ge jedoch nicht belegt. Dar­über hin­aus hat das Land­ge­richt nicht erkenn­bar in sei­ne Erwä­gun­gen ein­ge­stellt, dass der Ange­klag­te von P. und dem unbe­kannt geblie­be­nen wei­te­ren Täter ein so genann­tes Arbeits­han­dy aus­ge­hän­digt erhielt, über das ihm Anwei­sun­gen für die Rück­rei­se erteilt wer­den soll­ten; dies hät­te in die gebo­te­ne umfas­sen­de Abwä­gung aller für und gegen eine Mit­tä­ter­schaft spre­chen­den Umstän­de ein­ge­stellt wer­den müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Juli 2017 – 2 StR 220/​17

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 23.05.2017 – 4 StR 617/​16 13; vom 22.03.2017 – 3 StR 475/​16 12; Urteil vom 17.10.2002 – 3 StR 153/​02, NStZ 2003, 253, 254; Beschluss vom 02.07.2008 – 1 StR 174/​08, NStZ 2009, 25, 26[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 29.09.2015 – 3 StR 336/​15, NStZ-RR 2016, 6, 7; vgl. aber auch BGH, Urteil vom 15.07.1999 – 5 StR 155/​99, NStZ 1999, 609, 610; Münch­Komm-StG­B/Jo­ecks, 3. Aufl., § 25 Rn. 27 ff.[]