Mit­tä­ter­schaft – und das Ver­hält­nis zur Tat

Bei der Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen ist Mit­tä­ter, wer sei­nen eige­nen Tat­bei­trag so in die Tat ein­fügt, dass die­ser als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint.

Mit­tä­ter­schaft – und das Ver­hält­nis zur Tat

Mit­tä­ter­schaft erfor­dert zwar nicht zwin­gend eine eige­ne Mit­wir­kung am Kern­ge­sche­hen; aus­rei­chen kann auch eine die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­de Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung. Stets muss sich die­se Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len.

Ob ein Betei­lig­ter ein so enges Ver­hält­nis zur Tat hat, ist auf Grund einer wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung aller fest­ge­stell­ten Umstän­de zu prü­fen. Wesent­li­che Anhalts­punk­te kön­nen dabei der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Tat­er­folg, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le zu ihr sein 1.

Nach die­sem Maß­stab hat­te in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Ange­klag­te P. nur Bei­hil­fe gemäß § 27 StGB zum Mord geleis­tet:

Der P. war nur bei der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung unmit­tel­bar vor Ort und hat auch dann nicht aktiv mit­ge­wirkt. Zur Betei­li­gung an der Tat war er über­re­det wor­den. Den Plan, das Opfer in das Ke. zu locken und dort über­ra­schend mit dem Tele­skop­schlag­stock anzu­grei­fen, hat­te der K. ent­wi­ckelt. Er hat die Tat­waf­fe mit­ge­bracht und die Tötungs- hand­lun­gen allei­ne aus­ge­führt. Er woll­te den P. dadurch an sich bin­den und hat damit ein Eigen­in­ter­es­se ver­folgt.

Bei die­ser Sach­la­ge stellt sich das Ver­hal­ten des P. , auch unter Berück­sich­ti­gung des tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lungs­spiel­rau­mes, als Bei­hil­fe dar. Die Tat­sa­che, dass er ein eige­nes Inter­es­se am Tod des Opfers hat­te, um nicht mehr von die­sem bedroht zu wer­den, reicht eben­so wenig wie sei­ne blo­ße Anwe­sen­heit bei der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung und sei­ne Mit­wir­kung bei der Besei­ti­gung von Lei­che und Fahr­zeug des Opfers aus, um sei­ne Tat­bei­trä­ge als mit der Pla­nung und Aus­füh­rung des Mor­des durch den K. annä­hernd gleich­wer­tig erschei­nen zulas­sen. Der Bun­des­ge­richts­hof änder­te daher den Schuld­spruch in Bei­hil­fe zum Mord ab.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. März 2018 – 2 StR 559/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 15.01.1991 – 5 StR 492/​90, BGHSt 37, 289, 291; BGH, Beschluss vom 13.09.2017 – 2 StR 161/​17, NStZ-RR 2018, 40 mwN[]