Mord an Ehe­mann

Eine 41-jäh­ri­ge Frau aus Plochin­gen ist wegen Mor­des an ihrem Ehe­mann ver­ur­teilt wor­den. Mit dem Urteil des Land­ge­richts Stutt­gart hat die Ange­klag­te eine lebens­lan­ge Frei­heits­stra­fe zu ver­bü­ßen.

Mord an Ehe­mann

Die Ange­klag­te, eine Sport­schüt­zin, hat ihren 47-jäh­ri­gen Ehe­mann mit geziel­ten Schüs­sen mit einer Pis­to­le (Kal. 45) im Wohn­zim­mer im Erd­ge­schoss des gemein­sa­men Hau­ses in Plochin­gen töte­te. Durch einen der drei abge­feu­er­ten Schüs­se erlitt das Opfer eine töd­li­che Ver­let­zung am Herz.

Die Ange­klag­te mach­te gel­tend, dass vom Tat­op­fer eine Bedro­hung gegen­über den Kin­dern aus­ge­gan­gen sei, die einen Schuss­waf­fen­ge­brauch not­wen­dig gemacht habe. Sie und der Getö­te­te hat­ten fünf gemein­sa­me Kin­der im Alter zwi­schen einem und zwölf Jah­ren.

Nach der Tat ver­ließ die Ange­klag­te mit allen Kin­dern das Haus und begab sich zu ihrer Mut­ter, der sie von der Tat und einer ver­meint­li­chen Bedro­hung durch das Tat­op­fer gegen­über dem zweit­jüngs­ten Sohn berich­te­te. Die Mut­ter der Ange­klag­ten setz­te dar­auf­hin um 11:14 Uhr einen Not­ruf ab. Der sofort alar­mier­te Not­arzt konn­te jedoch kurz dar­auf nur noch den Tod des Opfers fest­stel­len.

Die Aus­füh­run­gen der Ange­klag­ten hält das Land­ge­richt Stutt­gart jedoch für wider­legt. Nach den Fest­stel­lun­gen des Gerichts ging zum Zeit­punkt der Abga­be der Schüs­se kei­ne irgend­wie gear­te­te Bedro­hung von dem Tat­op­fer für die Ange­klag­te oder die gemein­sa­men Kin­der aus. Die Kin­der hat­ten das Wohn­zim­mer bereits ver­las­sen und das Tat­op­fer mach­te kei­ne Anstal­ten den Kin­dern hin­ter­her­zu­ge­hen. Auch einen ent­spre­chen­den Irr­tum der Ange­klag­ten über das Bestehen einer Bedro­hung hat es nicht gege­ben.

Die Ehe­part­ner hat­ten sich in den Jah­ren vor der Tat aus­ein­an­der­ge­lebt. Es gab erheb­li­che Dif­fe­ren­zen im Hin­blick auf die Erzie­hung der gemein­sa­men Kin­der. So hat­te das Tat­op­fer nach einem erlit­te­nen Herz­in­farkt seit eini­ger Zeit begon­nen, sich ver­mehrt in die Erzie­hung der Kin­der ein­zu­mi­schen, was der Ange­klag­ten miss­fiel.

Das Land­ge­richt geht davon aus, dass die Ange­klag­te heim­tü­ckisch han­del­te, weil das Opfer vor den Schüs­sen nicht gewusst habe, dass die Ange­klag­te bewaff­net gewe­sen ist und der ers­te Schuss in den Rücken des arg- und wehr­lo­sen Opfers abge­feu­ert wur­de. Daher habe die Ange­klag­te sich des Mor­des schul­dig gemacht.

Bei der Bege­hung der Tat sei die Ange­klag­te voll schuld­fä­hig gewe­sen. Sie sei durch die Erzie­hungs- und Haus­ar­beit zwar stark belas­tet gewe­sen, aller­dings habe dies nicht dazu geführt, dass ihre Schuld­fä­hig­keit auf­ge­ho­ben oder erheb­lich ver­min­dert gewe­sen sei.

Das Land­ge­richt folg­te mit sei­nem Urteil dem Antrag der Staats­an­walt­schaft. Die Ver­tei­di­gung hat­te sich gegen eine Ver­ur­tei­lung der Ange­klag­ten wegen Mor­des gewen­det.

Land­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 3. Novem­ber 2011 – 1 Ks 112 Js 6467/​11