Mord aus nied­ri­gen Beweg­grün­den – und das Motiv­bün­del

Beim Vor­lie­gen eines Motiv­bün­dels beruht die vor­sätz­li­che Tötung nur dann auf nied­ri­gen Beweg­grün­den, wenn das Haupt­mo­tiv oder die vor­herr­schen­den Moti­ve, wel­che der Tat ihr Geprä­ge geben, nach all­ge­mei­ner sitt­li­cher Wer­tung auf tiefs­ter Stu­fe ste­hen und des­halb beson­ders ver­werf­lich sind1.

Mord aus nied­ri­gen Beweg­grün­den – und das Motiv­bün­del

Dass im vor­lie­gen­den Fall das Land­ge­richt auf der Grund­la­ge der rechts­feh­ler­frei getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen das Vor­lie­gen des Mord­merk­mals der nied­ri­gen Beweg­grün­de ver­neint hat, war daher für den Bun­des­ge­richts­hof von Rechts wegen nicht zu bean­stan­den:

Nach den Fest­stel­lun­gen war die Per­sön­lich­keit des Ange­klag­ten durch "zwei höchst wider­sprüch­li­che Per­sön­lich­keits­an­tei­le, näm­lich einer­seits nar­ziss­ti­sche und ande­rer­seits depen­den­te" geprägt. Der Ange­klag­te, der zu sei­nem Motiv kei­ne Anga­ben gemacht hat, ver­such­te die Geschä­dig­te "aus einem Bün­del von Moti­ven, teil­wei­se nar­ziss­ti­sche Krän­kung, teil­wei­se auf­grund sei­nes Besitz­den­kens, teil­wei­se Ver­zweif­lung und Ver­lust­ängs­te" zu töten. Dass eines die­ser Moti­ve für die Tat aus­schlag­ge­bend gewe­sen sei, ver­moch­te die Straf­kam­mer nicht fest­zu­stel­len.

Die auf die­ser Grund­la­ge vor­ge­nom­me­ne Bewer­tung der hand­lungs­lei­ten­den Gefühls­re­gun­gen des Ange­klag­ten als "noch emo­tio­nal nach­voll­zieh­bar" und ins­ge­samt nicht als auf nied­rigs­ter Stu­fe ste­hend lässt einen Wer­tungs­feh­ler nicht erken­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Sep­tem­ber 2018 – 2 StR 113/​18

  1. st. Rspr., vgl. nur BGH, Urteil vom 26.02.1993 – 3 StR 207/​92, BGHR StGB § 211 Abs. 2 nied­ri­ge Beweg­grün­de 25; BGH, Urteil vom 10.03.2006 – 2 StR 561/​05, NStZ 2006, 338, 340 []