Mordmerkmal: Verdeckungabsicht – und die vorangegangene Körperverletzung

Das Mordmerkmal der Verdeckungsabsicht gemäß § 211 Abs. 2 StGB setzt voraus, dass der Täter die Tötungshandlung vornimmt oder – im Falle des Unterlassens – die ihm zur Abwendung des Todeseintritts gebotene Handlung unterlässt, um dadurch eine “andere” Straftat zu verdecken.

Mordmerkmal: Verdeckungabsicht - und die vorangegangene Körperverletzung

Dabei steht der Annahme eines solchen Verdeckungsmordes nicht bereits entgegen, dass sich schon die zu verdeckende Vortat gegen die körperliche Unversehrtheit des Opfers richtet und im unmittelbaren Anschluss in die Tötung zur Verdeckung des vorausgegangenen Geschehens übergeht1.

Denn in Fällen, in denen ein äußerlich ununterbrochenes Handeln (bzw. Unterlassen) zunächst nur mit Körperverletzungsvorsatz beginnt und dann mit Tötungsvorsatz weitergeführt wird, liegt die erforderliche Zäsur in diesem Vorsatzwechsel2.

Nur in den Fallkonstellationen, bei denen der Täter von Anfang an mit – sei es auch nur bedingtem – Tötungsvorsatz handelt, fehlt es an einer zu verdeckenden Vortat im Sinne des § 211 Abs. 2 StGB, wenn er im Zuge der Tatausführung die Tötung zusätzlich auch deshalb herbeiführen will, um seine vorherigen Tathandlungen zu verdecken. Denn allein das Hinzutreten der Verdeckungsabsicht als (weiteres) Tötungsmotiv macht die davor begangenen Einzelakte in diesem Fall nicht zu einer “anderen” Tat3.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 24. April 2018 – 1 StR 160/18

  1. BGH, Urteil vom 12.12 2002 – 4 StR 297/02, NJW 2003, 1060; Beschluss vom 23.06.2016 – 5 StR 152/16 mwN []
  2. BGH, Urteil vom 20.05.2015 – 2 StR 464/14, NStZ 2015, 639 []
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 12.12 2002 – 4 StR 297/02, NJW 2003, 1060 mwN []