Mordmerkmal: Verdeckungabsicht – und der bedingte Tötungsvorsatz

Verdeckungsabsicht und bedingter Tötungsvorsatz schließen sich nicht grundsätzlich aus.

Mordmerkmal: Verdeckungabsicht - und der bedingte Tötungsvorsatz

So kommt die Annahme von Verdeckungsabsicht im Sinne von § 211 Abs. 2 StGB nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs grundsätzlich auch dann in Betracht, wenn der Tod des Opfers nicht mit direktem Vorsatz angestrebt, sondern nur bedingt vorsätzlich in Kauf genommen wird1, wenn nicht im Einzelfall der Tod des Opfers sich als zwingend notwendige Voraussetzung einer Verdeckung darstellt. Voraussetzung ist aber stets, dass die Verdeckungshandlung selbst nach der Vorstellung des Täters Mittel der Verdeckung sein soll2.

Wenn der Täter aber annimmt, eine Aufdeckung der anderen Straftat werde unabhängig von der Verdeckungshandlung und von deren Tötungserfolg nicht eintreten, fehlt es an der erforderlichen (vorgestellten) Kausalität einer möglicherweise objektiv “verdeckenden” Handlung für den subjektiv angestrebten Erfolg3.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 24. April 2018 – 1 StR 160/18

  1. vgl. BGH, Urteil vom 15.02.2018 – 4 StR 361/17, NStZ-RR 2018, 174; Beschluss vom 04.08.2010 – 2 StR 239/10, NStZ 2011, 34; Urteile vom 23.11.1995 – 1 StR 475/95, BGHSt 41, 358, 360; und vom 30.03.2004 – 5 StR 428/03, NStZ 2004, 495, 496; Beschlüsse vom 30.06.2011 – 4 StR 241/11; und vom 23.06.2016 – 5 StR 152/16, NStZ-RR 2016, 280; vgl. auch MünchKomm-StGB/Schneider, 3. Aufl., § 211 Rn. 245; SSW-StGB/Momsen, 3. Aufl., § 211 Rn. 80 []
  2. vgl. MükoStGB/Schneider, § 211 Rn. 246 []
  3. BGH, Beschluss vom 04.08.2010 – 2 StR 239/10, NStZ 2011, 34 []