Natür­li­che Hand­lungs­ein­heit

Die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nimmt eine natür­li­che Hand­lungs­ein­heit, die meh­re­re Hand­lun­gen im natür­li­chen Sin­ne zu einer Ein­heit im Recht­sin­ne ver­bin­den kann, an, wenn zwi­schen einer Mehr­heit gleich­ar­ti­ger straf­recht­lich erheb­li­cher Ver­hal­tens­wei­sen ein der­art unmit­tel­ba­rer räum­li­cher und zeit­li­cher Zusam­men­hang besteht, dass das gesam­te Han­deln des Täters objek­tiv auch für einen Drit­ten als ein ein­heit­li­ches zusam­men­ge­hö­ri­ges Tun erscheint, und wenn die ein­zel­nen Betä­ti­gungs­ak­te durch ein gemein­sa­mes sub­jek­ti­ves Ele­ment mit­ein­an­der ver­bun­den sind 1.

Natür­li­che Hand­lungs­ein­heit

Rich­ten sich die Hand­lun­gen des Täters bzw. Tat­be­tei­lig­ten – wie hier – gegen höchst­per­sön­li­che Rechts­gü­ter der Opfer, ist die Annah­me einer natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit zwar nicht grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen, sie liegt aber regel­mä­ßig nicht nahe 2.

)). In sol­chen Kon­stel­la­tio­nen kön­nen unter­schied­li­che Hand­lun­gen regel­mä­ßig weder durch ihre Auf­ein­an­der­fol­ge noch durch einen ein­heit­li­chen Plan oder Vor­satz zu einer natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit zusam­men­ge­fasst wer­den.

Aus­nah­men kom­men nur in Betracht, wenn die Auf­spal­tung des Tat­ge­sche­hens in Ein­zel­hand­lun­gen wegen eines außer­ge­wöhn­lich engen zeit­li­chen und räum­li­chen Zusam­men­han­ges will­kür­lich oder geküns­telt erschie­ne 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Febru­ar 2015 – 1 StR 488/​14

  1. BGH, Urtei­le vom 30.11.1995 – 5 StR 465/​95, BGHSt 41, 368; vom 19.11.2009 – 3 StR 87/​09 Rn. 16 [in NStZ-RR 2010, 140 f. nur LS]; vom 08.02.2012 – 1 StR 427/​11, NStZ-RR 2012, 241, 242 f.; Fischer aaO Vor § 52 Rn. 3 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 19.11.2009 – 3 StR 87/​09 Rn. 16[]
  3. BGH aaO mwN[]