Natür­li­che Hand­lungs­ein­heit – und die Ände­rung des Tat­plans

Eine natür­li­che Hand­lungs­ein­heit liegt grund­sätz­lich 1 dann vor, wenn meh­re­re straf­recht­lich rele­van­te Hand­lun­gen des Täters, die durch ein gemein­sa­mes sub­jek­ti­ves Ele­ment ver­bun­den sind, in unmit­tel­ba­rem räum­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang ste­hen und sein gesam­tes Tätig­wer­den bei natür­li­cher Betrach­tungs­wei­se auch für einen Drit­ten als ein­heit­li­ches Tun erscheint 2.

Natür­li­che Hand­lungs­ein­heit – und die Ände­rung des Tat­plans

Für die Annah­me einer natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit hat ein das Gesamt­ge­sche­hen ins­ge­samt umfas­sen­der Tatent­schluss zwar neben dem erfor­der­li­chen raum­zeit­li­chen Zusam­men­hang der Tat­hand­lun­gen durch­aus Bedeu­tung; ins­be­son­de­re ver­mag er in Fäl­len, in denen die raum­zeit­li­che Ver­knüp­fung der Ein­zel­ak­te eher locker erscheint, maß­geb­li­che Bedeu­tung für die Annah­me einer natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit zu gewin­nen. Unver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zung für deren Vor­lie­gen ist er indes­sen nicht.

So ste­hen weder eine Ände­rung oder eine Erwei­te­rung des Tat­pla­nes noch auch eine kurz­fris­ti­ge Auf­ga­be des Tatent­schlus­ses der Annah­me einer natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit not­wen­dig ent­ge­gen, wenn die Hand­lun­gen in dem vor­aus­ge­setz­ten engen räum­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang ste­hen 3.

Jedoch ver­mag die Zusam­men­fas­sung meh­re­rer für sich straf­recht­lich rele­van­ter Ein­zel­ak­te eines Gesamt­ge­sche­hens zu einer natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit nicht die straf­recht­li­che Bewer­tung des jewei­li­gen Ein­zel­ak­tes zu modi­fi­zie­ren. Sie kann ledig­lich Fol­gen für deren kon­kur­renz­recht­li­che Beur­tei­lung haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Novem­ber 2016 – 3 StR 402/​16

  1. zu abwei­chen­der Beur­tei­lung bei Angrif­fen gegen höchst­per­sön­li­che Rechts­gü­ter ver­schie­de­ner Opfer s. etwa Lackner/​Kühl, StGB, 28. Aufl., Vor § 52 Rn. 7 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 25.11.2004 – 4 StR 326/​04, NStZ 2005, 263, 264; Beschluss vom 25.11.1992 – 3 StR 520/​92, NStZ 1993, 234[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 13.11.1973 – 1 StR 346/​73[]