Nega­ti­vat­test bei erfolg­ten Gesprä­chen

Die vom Vor­sit­zen­den in der Haupt­ver­hand­lung pro­to­kol­lier­te Mit­tei­lung „Es wur­de fest­ge­stellt, dass kei­ne Ver­stän­di­gung im Sin­ne von § 257c StPO erzielt wur­de“ ist nicht des­halb feh­ler­haft, weil außer­halb der Haupt­ver­hand­lung „direk­te Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che“ statt­ge­fun­den haben.

Nega­ti­vat­test bei erfolg­ten Gesprä­chen

Zwar hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Ver­stö­ße gegen die Vor­ga­ben des Geset­zes zur Rege­lung der Ver­stän­di­gung im Straf­ver­fah­ren vom 29.07.2009 [1] in die Nähe abso­lu­ter Revi­si­ons­grün­de gerückt [2]. Durch die unzu­rei­chen­de Mit­tei­lung und Pro­to­kol­lie­rung von Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­chen, die allein Mit­an­ge­klag­te betrof­fen haben, ist ein Ange­klag­ter aber im Regel­fall nicht in sei­nen Rech­ten betrof­fen [3].

Ein ver­stän­di­gungs­be­zo­ge­nes Gespräch ist von sons­ti­gen zur Ver­fah­rens­för­de­rung geeig­ne­ten Erör­te­run­gen zwi­schen den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten abzu­gren­zen, die nicht auf eine ein­ver­nehm­li­che Ver­fah­rens­er­le­di­gung gerich­tet sind. Sol­che Gesprä­che sind ledig­lich Aus­druck eines trans­pa­ren­ten kom­mu­ni­ka­ti­ven Ver­hand­lungs­stils [4]. Auch der Gesetz­ge­ber hielt die Mit­tei­lung einer Ober- und Unter­gren­ze der nach dem Ver­fah­rens­stand vor­läu­fig zu erwar­ten­den Stra­fe durch das Gericht für ein Bei­spiel einer offe­nen Ver­hand­lungs­füh­rung [5]. Damit kann der Bun­des­ge­richts­hof anhand des Revi­si­ons­vor­tra­ges nicht prü­fen, ob den Beschwer­de­füh­rer betref­fen­de Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che im Sin­ne des § 243 Abs. 4 Satz 2 StPO statt­ge­fun­den haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Juni 2015 – 1 StR 579/​14

  1. BGBl. I S. 2353[]
  2. vgl. BVerfG, Urteil vom 19.03.2013 – 2 BvR 2628/​10, 2883/​10 und 2155/​11, BVerfGE 133, 168, 223 ff., Rn. 97 f. für Ver­stö­ße gegen Trans­pa­renz- und Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten und Rn. 99 für Ver­stö­ße gegen die Beleh­rungs­pflicht des § 257c Abs. 5 StPO[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 01.07.2014 – 2 BvR 989/​14, NStZ 2014, 528; BGH, Beschlüs­se vom 25.02.2015 – 4 StR 587/​14, NStZ 2015, 417 mwN; und vom 24.04.2014 – 5 StR 123/​14 Rn. 4; vgl. auch Mey­er-Goß­ner in Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl., § 338 Rn. 4 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 14.04.2015 – 5 StR 9/​15 Rn. 10 ff. mwN[]
  5. vgl. BT-Drs. 16, 12310, S. 12; BGH aaO Rn. 15; sie­he auch bereits BGH, Urteil vom 14.04.2011 – 4 StR 571/​10, NStZ 2011, 590, 591[]