Nega­ti­ve sach­li­che Kom­pe­tenz­kon­flik­te

Wäh­rend die Straf­pro­zess­ord­nung für die Behe­bung eines Strei­tes über die ört­li­che Zustän­dig­keit Rege­lun­gen in den §§ 14, 19 StPO ent­hält, feh­len sol­che für den Fall eines nega­ti­ven sach­li­chen Zustän­dig­keits­streits. Der Gesetz­ge­ber hat Vor­schrif­ten hier­über für nicht erfor­der­lich gehal­ten, da er die Zustän­dig­keits­re­ge­lung in den §§ 209, 209a, 225a, 269, 270, 328 Abs. 2 und § 355 StPO für aus­rei­chend hielt.

Nega­ti­ve sach­li­che Kom­pe­tenz­kon­flik­te

Der Bun­des­ge­richts­hof erach­tet eine ent­spre­chen­de Anwen­dung der §§ 14, 19 StPO auf den nega­ti­ven sach­li­chen Kom­pe­tenz­kon­flikt dann für zuläs­sig, wenn andern­falls man­gels einer aus­drück­li­chen Bestim­mung das Ver­fah­ren unter Umstän­den nicht fort­ge­setzt und zum Still­stand kom­men wür­de; ein sol­ches Ergeb­nis wäre mit der Auf­ga­be der Straf­rechts­pfle­ge nicht ver­ein­bar 1; eine ent­spre­chen­de Anwen­dung schei­det aller­dings dann aus, wenn der Zustän­dig­keits­streit durch eines der betei­lig­ten Gerich­te ver­bind­lich ent­schie­den wer­den kann oder zu sei­ner Klä­rung ande­re Rechts­be­hel­fe zur Ver­fü­gung ste­hen 2.

Nach die­ser Maß­ga­be war der Bun­des­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Fall zur Ent­schei­dung beru­fen:

Der Zustän­dig­keits­streit kann nicht durch eines der betei­lig­ten Gerich­te ver­bind­lich ent­schie­den wer­den und es ste­hen auch kei­ne Rechts­be­hel­fe zu einer zeit­na­hen Klä­rung zur Ver­fü­gung. Zwar könn­te die Staats­an­walt­schaft ver­schie­de­ne Wege beschrei­ten, um doch noch eine Klä­rung des Zustän­dig­keits­streits zu bewir­ken. Ange­sichts der bereits ein­ge­tre­te­nen – unver­tret­ba­ren – Ver­zö­ge­rung sah der Bun­des­ge­richts­hof jedoch von der vom Gene­ral­bun­des­an­walt ange­reg­ten Rück­ga­be der Sache an die Staats­an­walt­schaft Olden­burg ab und bestimmt selbst das sach­lich und ört­lich zustän­di­ge Gericht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Novem­ber 2018 – 2 ARs 295/​1

  1. vgl. Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 15.05.1963 – 2 ARs 66/​63, BGHSt 18, 381, 383 f.; vom 03.09.1982 – 2 ARs 249/​82, NStZ 1983, 30; und vom 29.04.1983 – 2 ARs 118/​83, BGHSt 31, 361, 362; BGH, Beschluss vom 17.03.1999 – 3 ARs 2/​99, BGHSt 45, 26, 28[]
  2. BGH, Beschluss vom 21.12 1982 – 2 ARs 388/​82, BGHSt 31, 183, 184 f.; BGH, Beschluss vom 17.03.1999 – 3 ARs 2/​99, BGHSt 45, 26, 29 f.[]