Not­wehr – und die Güter­ab­wä­gung

Das Not­wehr­recht setzt kei­ne Güter­pro­por­tio­na­li­tät vor­aus; eine Abwä­gung der Bedeu­tung des ange­grif­fe­nen Rechts­guts mit dem ver­tei­dig­ten Rechts­gut ist danach im All­ge­mei­nen nicht erfor­der­lich1.

Not­wehr – und die Güter­ab­wä­gung

Nur wenn die Rechts­gut­be­ein­träch­ti­gung durch die Ver­tei­di­gungs­hand­lung gegen­über einem uner­heb­li­chen Angriff ein­deu­tig unver­hält­nis­mä­ßig ist, kann ein sol­ches Miss­ver­hält­nis ange­nom­men wer­den, das zur Ein­schrän­kung des Not­wehr­rechts führt.

Der sich Ver­tei­di­gen­de muss Kör­per­ver­let­zun­gen im All­ge­mei­nen nicht hin­neh­men2. Allein aus der Tat­sa­che, dass er kei­ne nach­hal­ti­gen Ver­let­zungs­fol­gen in Form von spä­ter noch anhal­ten­den Schmer­zen, Häma­to­men oder Blu­tun­gen erlit­ten hat, ergibt sich nicht, dass es sich zur Tat­zeit um Baga­tel­l­an­grif­fe han­del­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. April 2016 – 2 StR 523/​15

  1. vgl. Schönke/​Schröder/​Perron, aaO § 32 Rn. 47
  2. vgl. Münch­Komm-BGB/Erb, StGB, § 32 Rn. 211 mwN
  3. vgl. BVerfGE 64, 1, 12
  4. vgl. Fischer, aaO § 32 Rn. 37