Ohne eigene Schuld zum Zorn gereizt

Nicht “ohne eigene Schuld” im Sinne des § 213 Alternative 1 StGB handelt der Täter, der das Opfer zu seinem Verhalten herausfordert.

Ohne eigene Schuld zum Zorn gereizt

Das ist nicht schon bei jeder Handlung des Täters der Fall, die ursächlich für die ihm zugefügte Misshandlung gewesen ist. Vielmehr muss er dem Opfer genügende Veranlassung gegeben haben; dessen Verhalten muss eine verständliche Reaktion auf vorangegangenes Tun des Täters gewesen sein. Dabei ist die Verständlichkeit auch unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit zu prüfen1.

Ein zeitliche Abstand von wenigen Minuten unterbricht den motivationspsychologischen Zusammenhang zwischen der Provokation (hier:) durch die Tritte und Schläge auf der einen und den Messerstichen auf der anderen Seite nicht2.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 22. Januar 2019 – 1 StR 585/18

  1. BGH, Beschlüsse vom 19.12 2018 3 StR 391/18 7; vom 09.08.1988 4 StR 221/88, BGHR StGB § 213 Alternative 1 Verschulden 1; vom 02.10.1985 3 StR 376/85, StV 1986, 200; vom 26.04.1985 2 StR 181/85, StV 1985, 367; und vom 22.07.1981 3 StR 254/81 4 []
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 19.09.2017 1 StR 436/17, NStZ-RR 2018, 20, 21 mwN []