Ord­nungs­mit­tel bei Unge­bühr – und die Ent­schei­dung über Beschwer­den

Bei Ent­schei­dun­gen über Beschwer­den gem. § 181 Abs. 1 GVG gegen Ord­nungs­maß­nah­men nach § 178 Abs. 1 GVG ent­schei­det das Ober­lan­des­ge­richt gemäß § 122 Abs. 1 GVG in der Beset­zung mit drei Mit­glie­dern, auch wenn die ange­grif­fe­ne Ord­nungs­maß­nah­me in einem Buß­geld­ver­fah­ren ergan­gen ist, für das im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren gem. § 80a Abs. 1 OWiG die Zustän­dig­keit des Ein­zel­rich­ters gege­ben ist.

Ord­nungs­mit­tel bei Unge­bühr – und die Ent­schei­dung über Beschwer­den

Ob für die Ent­schei­dung über die­se in einem Buß­geld­ver­fah­ren ein­ge­leg­ten sofor­ti­gen Beschwer­den gegen Ord­nungs­mit­tel­ent­schei­dun­gen nach § 178 StPO die Zustän­dig­keit des Ein­zel­rich­ters gege­ben ist, weil die­ser gem. § 80a OWiG zur Ent­schei­dung über die Rechts­be­schwer­de in der Haupt­sa­che, beru­fen ist1, oder ob auch in Buß­geld­sa­chen das Ober­lan­des­ge­richt in der von § 122 Abs. 1 GVG bestimm­ten Beset­zung mit drei Mit­glie­dern über Beschwer­den gegen Ord­nungs­mit­tel­be­schlüs­se nach § 178 GVG zu ent­schei­den hat2, ist umstrit­ten3.

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gar ist der Auf­fas­sung, dass über die vor­lie­gen­den Beschwer­den – unge­ach­tet der Zustän­dig­keit des Ein­zel­rich­ters in der Haupt­sa­che für die Ent­schei­dung über die Rechts­be­schwer­de gem. § 80a OWiG – in der von § 122 Abs. 1 GVG bestimm­ten Beset­zung mit drei Mit­glie­dern zu ent­schei­den ist.

Ent­ge­gen OLG Köln4 folgt nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts die Beset­zung des zur Beschwer­de­ent­schei­dung beru­fe­nen Gerichts auch in einer Buß­geld­sa­che nicht der Gericht­be­set­zung der Haupt­sa­chen­ent­schei­dung. Bei der vor­lie­gend zu tref­fen­den Ent­schei­dung über den Bestand der Ord­nungs­geld­be­schlüs­se han­delt es sich näm­lich nicht um eine Anne­xent­schei­dung zur Haupt­sa­chen­ent­schei­dung5.

So erfolg­te hier die Unge­bühr ledig­lich anläss­lich des Buß­geld­ver­fah­rens. Einen inne­ren Zusam­men­hang haben Unge­bühr und Buß­geld­sa­che aber nicht. Mit der Haupt­sa­chen­ent­schei­dung in einer Buß­geld­sa­che hängt die Ent­schei­dung über etwa in der Haupt­ver­hand­lung erlas­se­ne Ord­nungs­geld­be­schlüs­se näm­lich in kei­ner Wei­se zusam­men. Dies belegt bereits der Umstand, dass die Ord­nungs­mit­tel gem. § 178 GVG unge­ach­tet des jewei­li­gen Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des und der dar­auf anzu­wen­den­den Pro­zess­ord­nung, unab­hän­gig vom spä­te­ren Ver­fah­rens­aus­gang und zudem auch gegen ande­re Per­so­nen als den Betrof­fe­nen erge­hen kön­nen. Den feh­len­den inne­ren Zusam­men­hang zwi­schen Ord­nungs­mit­teln und Haupt­sa­che­ent­schei­dung belegt letzt­lich auch der Umstand, dass zur Ent­schei­dung über Beschwer­den gegen die Ord­nungs­mit­tel gem. § 178 GVG gera­de nicht das Haupt­sa­chen­ge­richt, son­dern – sofern nicht ein Ober­lan­des­ge­richt oder der Bun­des­ge­richts­hof die Maß­nah­me erlas­sen hat – unge­ach­tet vom Instan­zen­zug der Haupt­sa­che das über­ge­ord­ne­te Ober­lan­des­ge­richt beru­fen ist.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 7. Dezem­ber 2015 – 1 Ws 202/​15

  1. so Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl. § 178 GVG Rdnr. 8, OLG Köln, NStZ 2007, 181
  2. so Kissel/​Mayer, GVG, 8. Aufl., § 122 Rdnr. 3, OLG Hamm, NStZ-RR 2001, 116f
  3. Zum Streit­stand: Han­nich in KK, StPO, 7. Aufl., § 122 GVG Rdnr. 3
  4. OLG Köln, NStZ 2007, 181
  5. so auch OLG Hamm, NStZ-RR 2001, 116f