Orga­ni­sa­ti­ons­de­likt – und der Umfang des Ankla­ge­vor­wurfs

Nach § 264 StPO muss das Gericht die in der Ankla­ge bezeich­ne­te Tat so, wie sie sich nach dem Ergeb­nis der Haupt­ver­hand­lung dar­stellt, unter allen recht­li­chen Gesichts­punk­ten aburteilen.Es ist ver­pflich­tet, den Unrechts­ge­halt der Tat im pro­zes­sua­len Sinn voll aus­zu­schöp­fen, sofern kei­ne recht­li­chen Hin­der­nis­se im Wege ste­hen.

Orga­ni­sa­ti­ons­de­likt – und der Umfang des Ankla­ge­vor­wurfs

Der Umfang des Ankla­ge­vor­wurfs ist durch Aus­le­gung der Ankla­ge­schrift fest­zu­stel­len [1].

Die ein­heit­li­che Tat des Orga­ni­sa­ti­ons­de­likts bil­det auch eine Tat im pro­zes­sua­len Sinn, die durch Ankla­ge­er­he­bung der Kogni­ti­on des Gerichts gemäß § 264 Abs. 1 StGB unter­wor­fen wird.

Zur Erfül­lung der Umgren­zungs­funk­ti­on der Ankla­ge­schrift ist es bei einem „unei­gent­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­de­likt“, bei dem einem in lei­ten­der Funk­ti­on des Unter­neh­mens Täti­gen die Aus­füh­rungs­hand­lun­gen der Mit­ar­bei­ter zuge­rech­net wer­den, nicht erfor­der­lich, sämt­li­che Hand­lun­gen im Ein­zel­nen in der Ankla­ge­schrift mit­zu­tei­len [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Juni 2016 – 2 StR 520/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 29.06.2016 – 2 StR 89/​16[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 24.01.2012 – 1 StR 412/​11, BGHSt 57, 88, 94; Urteil vom 18.09.2013 – 2 StR 365/​12, BGHSt 59, 11, 13[]