Pati­en­ten­in­di­vi­du­el­le Arz­nei­mit­tel­zu­be­rei­tun­gen für die Krebs­the­ra­pie – ohne Wirk­stoff

Das Urteil im soge­nann­ten „Apo­the­ker“-Ver­fah­ren wegen Ver­sto­ßes unter ande­rem gegen das Arz­nei­mit­tel­ge­setz ist rechts­kräf­tig, der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­sio­nen des Ange­klag­ten sowie meh­re­rer Neben­klä­ger ver­wor­fen hat.

Pati­en­ten­in­di­vi­du­el­le Arz­nei­mit­tel­zu­be­rei­tun­gen für die Krebs­the­ra­pie – ohne Wirk­stoff

Das Land­ge­richt Essen hat den Ange­klag­ten wegen Ver­sto­ßes gegen das Arz­nei­mit­tel­ge­setz und Betrugs zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von 12 Jah­ren ver­ur­teilt sowie ein lebens­lan­ges Berufs­ver­bot und die Ein­zie­hung des Wer­tes von Tat­erträ­gen in Höhe von 17 Mil­lio­nen € ange­ord­net [1].

Nach den Fest­stel­lun­gen war der Ange­klag­te selb­stän­di­ger Apo­the­ker und Betrei­ber einer Apo­the­ke, die pati­en­ten­in­di­vi­du­el­le Arz­nei­mit­tel­zu­be­rei­tun­gen für die Krebs­the­ra­pie her­stell­te und an onko­lo­gi­sche Arzt­pra­xen und Kran­ken­häu­ser lie­fer­te. Im Tat­zeit­raum vom 1. Janu­ar 2012 bis zum 29. Novem­ber 2016 stell­te er min­des­tens 14.564 Arz­nei­mit­tel­zu­be­rei­tun­gen her bzw. ließ sie durch Mit­ar­bei­ter her­stel­len, die nicht die ärzt­lich ver­schrie­be­ne Wirk­stoff­men­ge ent­hiel­ten. Die unter­do­sier­ten Arz­nei­mit­tel­zu­be­rei­tun­gen brach­te er in der ganz über­wie­gen­den Anzahl der Fäl­le in den Ver­kehr. Zudem rech­ne­te er die unter­do­sier­ten Zube­rei­tun­gen monat­lich gegen­über den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen und den öffent­lich-recht­li­chen Kos­ten­trä­gern ab, um sich eine dau­er­haf­te Ein­nah­me­quel­le zu ver­schaf­fen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die auf meh­re­re Ver­fah­rens­be­an­stan­dun­gen und auf die Sach­rü­ge gestütz­ten Revi­sio­nen des Ange­klag­ten und meh­re­rer Neben­klä­ger, die eine Ver­ur­tei­lung des Ange­klag­ten wegen Tötungs- und Kör­per­ver­let­zungs­ta­ten erstreb­ten, ver­wor­fen und den Schuld- und Straf­aus­spruch sowie das lebens­lan­ge Berufs­ver­bot bestä­tigt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat ledig­lich den Ein­zie­hungs­be­trag berich­tigt und auf 13.605.408 € her­ab­ge­setzt. Das Urteil des Land­ge­richts Essen ist damit rechts­kräf­tig.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Juni 2020 – 4 StR 503/​19

  1. LG Essen, Urteil vom 06.07.2018 – 56 KLs 11/​17, 305 Js 330/​16[]