Pau­scha­les Geständ­nis – und der Ver­fall

Ein Geständ­nis, mit wel­chem pau­schal die Rich­tig­keit meh­re­rer hun­dert dif­fe­ren­zier­ter Ein­zel­da­ten bestä­tigt wor­den ist, muss nach der Natur der Sache, hier in Gestalt mensch­li­cher Wahrn­h­mungs- und Merk­fä­hig­kei­ten, i.d.R. Zwei­feln begeg­nen.

Pau­scha­les Geständ­nis – und der Ver­fall

Zum einen kann auch im Rah­men der Wie­der­ga­be der Ein­las­sung einer Betrof­fe­nen bzw. deren Geschäfts­füh­rers nicht auf Akten­be­stand­tei­le ver­wie­sen wer­den. Eine Bezug­nah­me auf Akten­be­stand­tei­le ist viel­mehr gemäß §§ 46 Abs. 1 OWiG, 267 Abs. 1 S. 3 StPO ledig­lich für bei den Akten befind­li­che Abbil­dun­gen 1 und auch inso­weit nur "wegen der Ein­zel­hei­ten", nicht also pau­schal ohne jeg­li­che Beschrei­bung des wesent­li­chen "Aus­sa­ge­inhalts" der Abbil­dung 2, zuläs­sig.

Zum ande­ren ist bei der Stüt­zung eines Beweis­ergeb­nis­ses auf gestän­di­ge Anga­ben einer Betrof­fe­nen bzw. – wie hier – deren ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Geschäfts­füh­rers zu beach­ten, dass ein ver­ur­tei­len­des Erkennt­nis nicht auf Anga­ben gestützt wer­den darf, von deren Rich­tig­keit das Gericht nicht über­zeugt ist 3, und ein Geständ­nis, mit wel­chem pau­schal die Rich­tig­keit meh­re­rer hun­dert dif­fe­ren­zier­ter Ein­zel­da­ten bestä­tigt wor­den ist, nach der Natur der Sache hier in Gestalt mensch­li­cher Wahr­neh­mungs- und Merk­fä­hig­kei­ten in der Regel Zwei­feln begeg­nen muss. Des­halb sind nach zu ver­schie­de­nen Ord­nungs­wid­rig­keits­tat­be­stän­den ent­wi­ckel­ter Recht­spre­chung selbst bei sehr viel ein­fa­cher gela­ger­ten Sach­ver­hal­ten Geständ­nis­se jeden­falls in wesent­li­chen Ein­zel­punk­ten zu über­prü­fen (bei­spiels­wei­se zur Über­zeu­gungs­bil­dung auf Grund gestän­di­ger Ein­las­sung Betrof­fe­ner bei Geschwin­dig­keits­über­schrei­tun­gen im Stra­ßen­ver­kehr 4). An einer Dar­le­gung sol­cher Über­prü­fungs­tat­sa­chen dazu, wie der Geschäfts­füh­rer der Ver­falls­be­trof­fe­nen von den ein­zel­nen Vor­gän­gen und Daten Kennt­nis erlangt hat und auf wel­cher Grund­la­ge er eine Kennt­nis bzw. Erin­ne­rung von den meh­re­ren hun­dert dif­fe­ren­zier­ten Ein­zel­da­ten glaub­haft bekun­den kann, fehlt es hier voll­stän­dig. Erst Recht gilt das für die Rich­tig­keit der in der in den Urteils­grün­den ent­hal­te­nen Tabel­le ange­ge­be­nen Mess­ergeb­nis­se, hin­sicht­lich derer es an jeg­li­cher Anga­be dazu fehlt, wor­auf die­se beru­hen.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 2. Juli 2015 – 2 RB 102/​142 RB 102/​14 – 3 Ss OWi 181/​14

  1. zum Begriff der Abbil­dung im Sin­ne des § 267 Abs. 1 S. 3 StPO vgl. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, § 267 Rn. 9 m.w.N.[]
  2. vgl. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, a.a.O., Rn. 10 m.w.N.[]
  3. vgl. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, a.a.O., § 261 Rn. 2 m.w.N.[]
  4. vgl. Bur­mann in Burmann/​Heß/​Jahnke/​Janker, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, § 3 StVO Rn. 86 m.w.N.; wobei inso­weit nach König in Hentschel/​König/​Dauer, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, § 3 StVO Rn. 57 m.w.N. sogar die Umstän­de des [behörd­li­chen] Mess­vor­gan­ges und die Rich­tig­keit der [behörd­li­chen] Mes­sung von einem Betrof­fe­nen nicht zuge­stan­den wer­den kön­nen[]