Pausch­ge­bühr

Gemäß § 51 Abs. 1 Satz 1 und 3 RVG ist Vor­aus­set­zung der Bewil­li­gung einer Pausch­ge­bühr, die über die gesetz­li­chen Gebüh­ren hin­aus­geht, dass die­se wegen des beson­de­ren Umfangs oder der beson­de­ren Schwie­rig­keit der Sache bzw. des betrof­fe­nen Ver­fah­rens­ab­schnitts nicht zumut­bar ist.

Pausch­ge­bühr

Die Bewil­li­gung einer Pausch­ge­bühr stellt dabei die Aus­nah­me dar; die anwalt­li­che Mühe­wal­tung muss sich von sons­ti­gen – auch über­durch­schnitt­li­chen Sachen – in exor­bi­tan­ter Wei­se abhe­ben [1].

Bei der Beur­tei­lung ist ein objek­ti­ver Maß­stab zu Grun­de zu legen [2].

Ent­schei­dend ist, ob die kon­kre­te Straf­sa­che selbst umfang­reich war und infol­ge die­ses Umfangs eine zeit­auf­wän­di­ge­re, gegen­über ande­ren Ver­fah­ren erhöh­te Tätig­keit des Ver­tei­di­gers erfor­der­lich gewor­den ist.

Dabei ist nur der Zeit­auf­wand berück­sich­ti­gungs­fä­hig, der allein aus ver­fah­rens­be­zo­ge­nen Tätig­kei­ten des Pflicht­ver­tei­di­gers her­rührt, nicht hin­ge­gen sol­cher, der sei­nen Grund in nur verteidigerbezogenen/​persönlichen Umstän­den hat [3].

Dass die Wahr­neh­mung des Haupt­ver­hand­lungs­ter­mins für den nicht orts­an­säs­si­gen Ver­tei­di­ger mit einem erheb­li­chen Zeit­auf­wand ver­bun­den war, beruht auf in sei­ner Per­son lie­gen­den Umstän­den und wird durch den Anspruch auf Erstat­tung der ent­stan­de­nen Fahrt- und Über­nach­tungs­kos­ten sowie auf Zah­lung eines Tages- und Abwe­sen­heits­gel­des aus­ge­gli­chen (Nr. 7003 ff. VV zu § 2 Abs. 2 RVG) [4].

Dass die Nicht­be­rück­sich­ti­gung des erfor­der­li­chen Zeit­auf­wands für die Anrei­se zum Gerichts­ort bei der Bemes­sung des Umfangs der Sache nach § 51 RVG zu einer Über­schrei­tung der von Ver­fas­sungs wegen zu beach­ten­den Zumut­bar­keits­gren­ze führt, war für den Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall weder dar­ge­tan noch ersicht­lich [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Juni 2015 – 4 StR 267/​11

  1. BGH, Beschluss vom 11.02.2014 – 4 StR 73/​10, Rn. 5; Beschluss vom 17.09.2013 – 3 StR 117/​12, Rn. 5[]
  2. vgl. BVerfG, NJW 2005, 1264, 1265 mwN[]
  3. OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 24.08.2010 – 1 AR 2/​09, Rn. 18 zitiert nach juris; OLG Hamm, NStZ 2007, 343[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 20.03.2002 – 4 StR 225/​00 zu § 99 BRAGO; OLG Nürn­berg, Beschluss vom 30.12 2014 – 2 AR 36/​14; OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 24.08.2010 – 1 AR 2/​09, Rn. 18; OLG Hamm, NStZ 2007, 343; Kroiß in: Mayer/​Kroiß, RVG, 6. Aufl., § 51 Rn. 23 Stich­wort Rei­se­kos­ten; Bur­hoff, RVG Straf- und Buß­geld­sa­chen, 3. Aufl., § 51 Rn. 99[]
  5. vgl. BVerfG, NJW 2005, 1264, 1265[]