Pene­tra­ti­on als sexu­el­le Hand­lung – oder nur eine Gewalt­an­wen­dung als Nöti­gungs­hand­lung des Kin­des?

Die Pene­tra­ti­on als sexu­el­le Hand­lung ist von einer Gewalt­an­wen­dung als Nöti­gungs­hand­lung zu unter­schei­den, denn der Ver­bre­chens­tat­be­stand setzt inso­weit sowohl eine Nöti­gung mit Gewalt als auch die Vor­nah­me oder Dul­dung einer sexu­el­len Hand­lung als Nöti­gungs­er­folg vor­aus [1].

Pene­tra­ti­on als sexu­el­le Hand­lung – oder nur eine Gewalt­an­wen­dung als Nöti­gungs­hand­lung des Kin­des?

Allein aus der Tat­sa­che, dass eine Pene­tra­ti­on erfolgt ist, die das Kind ver­letzt hat, kann auch nicht zugleich auf die Anwen­dung von Gewalt, etwa durch ein Fest­hal­ten des Opfers, geschlos­sen wer­den.

Wenn der Ange­klag­te die Tat­be­ge­hung bestrei­tet, das geschä­dig­te Kind nicht aus­sa­ge­tüch­tig ist und sons­ti­ge Beweis­mit­tel feh­len, lässt sich im Ergeb­nis nicht nach­wei­sen, dass der Ange­klag­te über die Vor­nah­me der sexu­el­len Hand­lung hin­aus nöti­gen­de Gewalt im Sin­ne von § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB ein­ge­setzt hat.

Des­halb muss der Schuld­spruch wegen tat­ein­heit­lich began­ge­ner Ver­ge­wal­ti­gung ent­fal­len. Die Anwen­dung von § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB (Schwe­rer sexu­el­ler Miß­brauch von Kin­dern) in einem sol­chen Fall ist dage­gen rechts­feh­ler­frei.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. März 2016 – 2 StR 405/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 07.11.1961 – 1 StR 407/​61, BGHSt 17, 1, 3 f.; Urteil vom 02.06.1982 – 2 StR 669/​81, BGHSt 31, 76, 77; Beschluss vom 05.10.2004 – 3 StR 256/​04, NStZ 2005, 268; Fischer, StGB § 177 Rn. 14; Matt/​Renzikowski/​Eschelbach, StGB, 2013, § 177 Rn. 17; SSW/​Wolters, StGB, 2. Aufl., § 177 Rn. 14[]