Per­sön­lich­keits­stö­rung – und die Bewer­tung ihrer Schwe­re

Indem das Gericht eine Stö­rung ange­nom­men hat, deren Schwe­re­grad aus­rei­chend ist, um sie unter das Ein­gangs­merk­mal schwe­re ande­re see­li­sche Abar­tig­keit des § 20 StGB zu fas­sen, muss­te es davon aus­ge­hen, dass die Stö­rung Sym­pto­me auf­weist, die in ihrer Gesamt­heit das Leben des Ange­klag­ten ver­gleich­bar schwer und mit ähn­li­chen Fol­gen stö­ren, belas­ten oder ein­engen wie krank­haf­te see­li­sche Stö­run­gen 1.

Per­sön­lich­keits­stö­rung – und die Bewer­tung ihrer Schwe­re

Denn für die Bewer­tung der Schwe­re der Per­sön­lich­keits­stö­rung ist es maß­ge­bend, ob es im All­tag außer­halb des ange­klag­ten Delik­tes zu Ein­schrän­kun­gen des beruf­li­chen und sozia­len Hand­lungs­ver­mö­gens gekom­men ist 2.

Ange­sichts des­sen, dass die Ein­schrän­kun­gen durch die Per­sön­lich­keits­stö­rung einer­seits schwer genug sein sol­len, um zur Annah­me eines Ein­gangs­merk­mals im Sin­ne der §§ 20, 21 StGB zu füh­ren, kommt der – hier­mit zudem in einem unauf­ge­lös­ten Span­nungs­ver­hält­nis ste­hen­den – Erwä­gung, der Ange­klag­te sei zu einem gere­gel­ten All­tags­le­ben in der Lage gewe­sen, kei­ne rele­van­te Aus­sa­ge­kraft zu.

Maß­ge­bend für die Beur­tei­lung der Schuld­fä­hig­keit ist die Bege­hung der Tat (§ 20 StGB), bei akti­vem Tun mit­hin die Zeit, zu wel­cher der Täter gehan­delt hat (§ 8 Satz 1 StGB; vgl. auch BGH, Beschluss vom 17.06.2015 – 4 StR 196/​15, NStZ-RR 2015, 275).

Danach ist auf die jewei­li­ge Tat­hand­lung abzu­stel­len und nicht auf den gesam­ten Zeit­raum, in dem der Täter ver­schie­de­ne Delik­te began­gen hat.

Ob der Ange­klag­te in den Zeit­räu­men zwi­schen den Taten zu für­sorg­li­chem Han­deln und Unrechts­re­flek­ti­on in der Lage war, kommt daher kei­ne maß­geb­li­che Bedeu­tung zu.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Janu­ar 2017 – 1 StR 532/​16

  1. vgl. hier­zu nur BGH, Beschlüs­se vom 11.02.2015 – 4 StR 498/​14, NStZ-RR 2015, 137; und vom 21.09.2004 – 3 StR 333/​04, NStZ 2005, 326, 327; Urteil vom 21.01.2004 – 1 StR 346/​03, BGHSt 49, 45, 52 f.; Beschluss vom 21.10.1998 – 3 StR 416/​98, NStZ-RR 1999, 136 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 21.01.2004 – 1 StR 346/​03, BGHSt 49, 45, 52 f. mwN[]