Pfand­fla­sche oder Alt­glas ?

Pfand­glas­fla­schen, die aus einem Alt­glas­con­tai­ner gestoh­len wor­den sind, haben einen so gerin­gen Wert, dass der Erlass eines Straf­be­fehls abge­lehnt wer­den kann.

Pfand­fla­sche oder Alt­glas ?

So hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Ehe­paa­res ent­schie­den, die 18 Glas­fla­schen ent­wen­det haben. Der Rent­ner und die Rei­ni­gungs­kraft angel­ten am 16.10.2016 aus der Kirch­see­o­ner Stra­ße in Mün­chen mit­hil­fe eines Greif­ar­mes aus einem Alt­glas­con­tai­ner in der Echar­din­ger Stra­ße in Mün­chen Alt­glas. Sie hat­ten vor, anschlie­ßend das Pfand für die Fla­schen ein­zu­lö­sen. Bei der Akti­on wur­den sie von Anwoh­nern beob­ach­tet und der Poli­zei gemel­det. Die Staats­an­walt­schaft bean­trag­te für bei­de beim Amts­ge­richt Mün­chen Straf­be­feh­le wegen Dieb­stahls.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass kein mess­ba­rer Dieb­stahl­scha­den ent­stan­den sei. Der Pfand­wert der aus dem Con­tai­ner ent­wen­de­ten Alt­glas­fla­schen betra­ge ledig­lich 1,44 Euro. Die Fla­schen wür­den mit dem Ein­wurf in den Alt­glas­con­tai­ner dem Pfand­kreis­lauf ent­zo­gen. Denn sie wer­den nicht aus dem Alt­glas aus­sor­tiert, viel­mehr wer­den sie mit den ande­ren Fla­schen ein­ge­schmol­zen.

Mit dem Ein­wurf der Glas­fla­schen in den Con­tai­ner geht das Eigen­tum an den Fla­schen auf den Betrei­ber der Alt­glas­con­tai­ner über. Maß­geb­lich für die Wert­be­rech­nung ist nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts des­halb der Wert, den die ins­ge­samt 18 ent­wen­de­ten Glas­fla­schen für die betref­fen­de Fir­ma haben. Die­ser ist jedoch so mini­mal, dass im Rah­men der Nach­er­mitt­lun­gen, nicht geklärt wer­den konn­te, wel­chen Wert die­se 18 Fla­schen im Rah­men des Recy­cling­pro­zes­ses zukommt.

Die Staats­an­walt­schaft hat gegen die­se Ent­schei­dung sofor­ti­ge Beschwer­de zum Land­ge­richt ein­ge­legt. Mit Beschluss vom 03.05.2017 hat das Land­ge­richt die sofor­ti­ge Beschwer­de ver­wor­fen, so dass die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts über die Ableh­nung des Erlas­ses der Straf­be­feh­le rechts­kräf­tig ist.

Amts­ge­richt Mün­chen, Beschluss vom 29. März 2017 – 843 Cs 238 js 238969/​16