Plei­te oder nicht plei­te – nicht nur das ist die Fra­ge

In schö­ner Regel­mä­ßig­keit erschei­nen neue Infor­ma­tio­nen über den frü­he­ren Vor­stands­vor­sit­zen­den der Arcan­dor AG: Am ver­gan­ge­nen Frei­tag hat Herr Dr. Mid­del­hoff sei­ne Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se offen­le­gen müs­sen – jeden­falls dem Gerichts­voll­zie­her und dem Gläu­bi­ger gegen­über. Durch das Gesetz zur Reform der Sach­auf­klä­rung in der Zwangs­voll­stre­ckung 1 ist die Pflicht des Schuld­ners zur Ertei­lung der Ver­mö­gens­aus­kunft bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen der Zwangs­voll­stre­ckung gemäß § 802c ZPO neu gere­gelt wor­den.

Plei­te oder nicht plei­te – nicht nur das ist die Fra­ge

Die­se im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch immer noch als Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung (EV) bzw. als Offen­ba­rungs­eid bekann­te Ver­mö­gens­aus­kunft woll­te Herr Mid­del­hoff wohl der war­ten­den Pres­se gegen­über nicht kom­men­tie­ren und "flüch­te­te" durchs Fens­ter des Gerichts­ge­bäu­des. Neben der Bank for­dern ehe­ma­li­ge Geschäfts­part­ner wie Herr Roland Ber­ger oder der Ver­mö­gens­ver­wal­ter Herr Josef Esch Geld­be­trä­ge in Mil­lio­nen­hö­he. Aber es ist bei Herrn Mid­del­hoff immer nur die Rede davon, dass er nicht liqui­de sei – von Plei­te sei kei­ne Rede. Die­se Sicht­wei­se und das selt­sam erschei­nen­de Ver­hal­ten machen es sei­nen Ver­tei­di­gern wohl nicht gera­de leich­ter bei dem lau­fen­den Straf­ver­fah­ren vor dem Land­ge­richt Essen. Nicht nur jeder Rechts­an­walt aus Essen – dem Ort der der­zeit lau­fen­den Haupt­ver­hand­lung – wird hin und wie­der einen Gedan­ken an die­ses sehr öffent­lich­keits­wirk­sa­me Gerichts­ver­fah­ren ver­schwen­den:

Seit Anfang Mai die­sen Jah­res tagt das Land­ge­richt Essen mit drei Berufs­rich­tern und zwei Schöf­fen in der Straf­sa­che Mid­del­hoff 2 nach­dem die XV. Wirt­schafts­straf­kam­mer des Land­ge­richts Essen am 19. Febru­ar 2014 die Ankla­ge in vol­lem Umfang zuge­las­sen hat. Die Staats­an­walt­schaft Bochum wirft dem Ange­klag­ten Untreue vor, indem er pri­va­te Char­ter­flü­ge über die Arcan­dor AG abge­rech­net hat und die Her­stel­lungs- und Druck­kos­ten für eine Fest­schrift sol­len eben­falls zu Las­ten des Unter­neh­mens gegan­gen sein. Dar­über hin­aus ist der ehe­ma­li­ge Arcan­dor-Chef der Steu­er­hin­ter­zie­hung ange­klagt, weil er die Umsatz­steu­er aus den Rech­nun­gen für die Fest­schrift zuguns­ten der Arcan­dor AG als Vor­steu­er gegen­über dem Finanz­amt gel­tend gemacht hat. Ins­ge­samt geht es um einen Scha­dens­be­trag in Höhe von ca. 1.152.000,00 Euro. Das Land­ge­richt Essen hat Ver­hand­lungs­ter­mi­ne bis in die zwei­te Hälf­te des Okto­bers fest­ge­legt. Daher ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Ex-Arcan­dor-Mana­ger jeden­falls nicht bis zum Abschluss des Ver­fah­rens aus den Schlag­zei­len her­aus­kom­men wird. Inwie­weit er selbst durch sein Ver­hal­ten noch zu wei­te­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen Anlass geben wird bleibt abzu­war­ten.

  1. ZwVoll­StrÄndG vom 29.07.2009, BGBl. I S. 2258; seit 01.01.013 in Kraft[]
  2. LG Essen, Akten­zei­chen 35 KLs 14/​13[]