PoliScan Speed – und die Ver­wert­bar­keit der Mess­ergeb­nis­se

Bei der Geschwin­dig­keits­mes­sung mit Gerä­ten des Typs PoliScan Speed des Her­stel­lers Vitro­nic han­delt es sich um ein stan­dar­di­sier­tes Mess­ver­fah­ren.

PoliScan Speed – und die Ver­wert­bar­keit der Mess­ergeb­nis­se

Im Hin­blick auf die Zulas­sung durch die Phy­si­ka­lisch-Tech­ni­sche Bun­des­an­stalt steht der Ver­wert­bar­keit eines mit PoliScan Speed ermit­tel­ten Mess­ergeb­nis­ses nicht ent­ge­gen, dass ein Sach­ver­stän­di­ger man­gels Zugangs zu patent- und urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Her­stel­ler­in­for­ma­tio­nen die genaue Funk­ti­ons­wei­se des Geräts anhand hier­für rele­van­ter Daten der Mess­wer­tert­mitt­lung nicht im Ein­zel­nen nach­voll­zie­hen kann.

Eine nähe­re Über­prü­fung des mit PoliScan Speed – bei Ein­hal­tung der vor­ge­schrie­be­nen Bedie­nungs­wei­se – ermit­tel­ten Mess­werts ist nur gebo­ten, wenn sich im kon­kre­ten Fall Anhalts­punk­te für eine Fehl­mes­sung erge­ben.

Ein Anhalts­punkt für eine Fehl­mes­sung­er­gibt sich aus einer Dis­kre­panz zwi­schen dem Mess­ergeb­nis und dem Wert, der sich bei einer Berech­nung auf der Grund­la­ge der Zusatz­da­ten ergibt, jeden­falls dann nicht, wenn die Abwei­chung inner­halb der Eich­feh­ler­gren­ze liegt.

PoliScan Speed ist seit Län­ge­rem in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung 1, als sog. stan­dar­di­sier­tes Mess­ver­fah­ren aner­kannt, weil die Bedin­gun­gen sei­ner Anwend­bar­keit und sein Ablauf so fest­ge­legt sind, dass unter glei­chen Vor­aus­set­zun­gen glei­che Ergeb­nis­se zu erwar­ten sind 2. Dies ergibt sich maß­geb­lich dar­aus, dass bei Laser­mess­ver­fah­ren wegen der Ein­heit­lich­keit der Licht­ge­schwin­dig­keit, mit der die Laser­pul­se sich bewe­gen, eine ein­fa­che Weg­stre­cken-Zeit-Berech­nung mög­lich ist und durch die Zulas­sung zur inner­staat­li­chen Eichung sei­tens der PTB die Mess­ge­nau­ig­keit sicher­ge­stellt ist.

Danach steht der Ver­wert­bar­keit mit PoliScan Speed vor­ge­nom­me­ner Geschwin­dig­keits­mes­sun­gen nach eben­so gefes­tig­ter ober­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung 3 nicht ent­ge­gen, dass ein Sach­ver­stän­di­ger man­gels Zugangs zu patent- und urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Her­stel­ler­in­for­ma­tio­nen die genaue Funk­ti­ons­wei­se des Gerä­tes anhand hier­für rele­van­ter Daten der Mess­wert­ermitt­lung nicht im Ein­zel­nen nach­voll­zie­hen kann.

Eine nähe­re Über­prü­fung des gemes­se­nen Geschwin­dig­keits­wer­tes ist danach nur gebo­ten, wenn sich im kon­kre­ten Fall Anhalts­punk­te für eine Fehl­mes­sung erge­ben 4, die dann in den Urteils­grün­den in einer für das Rechts­be­schwer­de­ge­richt nach­voll­zieh­ba­ren Wei­se mit­zu­tei­len sind.

Soweit ein sol­cher Anhalts­punkt aller­dings dar­in bestehen soll, dass das – in der Regel aus meh­re­ren hun­dert Ein­zel­mes­sun­gen ermit­tel­te – Mess­ergeb­nis von dem Wert abweicht, der sich aus einer Weg­stre­cken-Zeit­be­rech­nung auf der Grund­la­ge der ab der Soft­ware­ver­si­on 3.02.4 in den Zusatz­da­ten ange­zeig­ten Wer­te bei der ers­ten und der letz­ten Ein­zel­mes­sung ergibt 5, kann dem nicht ohne Wei­te­res gefolgt wer­den. Soweit die von dem Her­stel­ler dazu ange­bo­te­ne Erklä­rung, wonach dies im Zusam­men­hang damit zu sehen sei, dass der Laser­strahl bei den bei­den Ein­zel­mes­sun­gen auf unter­schied­li­che Punk­te an einer nicht pla­nen Fahr­zeug­front tref­fen kann, von Löh­le des­halb als nicht aus­rei­chend bewer­tet wird, weil der aus den bei­den zur Ver­fü­gung ste­hen­den Ein­zel­mes­sun­gen ermit­tel­te Ver­gleichs­wert bei einer ver­glei­chen­den Unter­su­chung ent­ge­gen der sta­tis­ti­schen Erwar­tung immer unter­halb des offi­zi­el­len Mess­ergeb­nis­ses gele­gen habe, kann die­se auf der Basis von ledig­lich fünf­zehn Fall­da­ten auf­ge­stell­te Prä­mis­se auf brei­te­rer Fall­da­ten­ba­sis so nicht auf­recht­erhal­ten wer­den 6. Recht­lich aus­schlag­ge­bend ist indes, dass die Ver­gleichs­be­rech­nung auf­grund der Zusatz­da­ten nach der Aus­kunft des Her­stel­lers und der PTB auf nicht geeich­ten Hilfs­grö­ßen beruht und daher ledig­lich eine Plau­si­bi­li­täts­prü­fung erlaubt. Jeden­falls dann, wenn der durch die bei­den Ein­zel­mes­sun­gen ermit­tel­te Ver­gleichs­wert inner­halb der Eich­feh­ler­gren­ze von 3 km/​h bei Geschwin­dig­kei­ten bis 100 km/​h bzw. 3 % bei Geschwin­dig­kei­ten über 100 km/​h liegt, liegt damit kein Anhalts­punkt für eine Fehl­mes­sung vor, die zu nähe­rer Über­prü­fung des Mess­ergeb­nis­ses oder gar zur Vor­nah­me eines Abschla­ges auf den vom Gerät ermit­tel­ten Mess­wert zwingt.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 24. Okto­ber 2014 – 2 (7) SsBs 454/​14; 2 (7) SsBs 454/​14AK 138/​14

  1. OLG Düs­sel­dorf VRR 2010, 116; und Beschluss vom 14.07.2014 – IV‑1 RBs 50/​14; KG VRS 118, 367; OLG Frank­furt VRR 2010, 203; OLG Stutt­gart a.a.O.; OLG, Köln Beschluss vom 30.10.2012 – III‑1 RBs 277/​12; und NZV 2013, 459; OLG Bam­berg DAR 2014, 38; OLG Schles­wig SchlHA 2013, 450; OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 07.05.2014 – 1 (8) SsBs 223/​14; vgl. auch DAR 2014, 598[]
  2. vgl. dazu all­ge­mein BGHSt 39, 291 und 43, 277[]
  3. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 16.04.2014 – 2 (6) SsRs 116/​14; KG a.a.O.; OLG Köln VRS 125, 48; OLG Schles­wig a.a.O.; OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 14.07.2014 a.a.O.[]
  4. KG a.a.O.; OLG Köln a.a.O.; OLG Bam­berg a.a.O.; OLG Schles­wig a.a.O.; OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 14.07.2014 a.a.O.[]
  5. Löh­le DAR 2013, 597[]
  6. Schmed­ding DAR 2013, 726[]