Poli­zei­li­che Blut­ent­nah­me

Die Poli­zei darf nur in Eil­fäl­len eine Blut­ent­nah­me anord­nen. Das hat das Ober­lan­des­ge­richt Bran­den­burg jetzt noch ein­mal klar gestellt, gleich­zei­tig aber ein Hin­ter­tür­chen geöff­net, wie das Ergeb­nis einer regel­wid­rig von der Poli­zei ange­ord­ne­ten Blut­pro­be in vie­len Fäl­len den­noch im Straf­pro­zess ver­wer­tet wer­den darf.

Poli­zei­li­che Blut­ent­nah­me

Der Ange­klag­te wur­de auf einem Moped bei der Aus­fahrt aus einem Park­platz von Poli­zei­be­am­ten ange­hal­ten. Da Alko­hol­ge­ruch in der Atem­luft fest­ge­stellt wur­de, wur­de er auf Anord­nung der Poli­zei­be­am­ten zur Blut­ent­nah­me in das nahe gele­ge­ne Kli­ni­kum gefah­ren, wo eine Blut­pro­be ent­nom­men wur­de, die eine Etha­nol­kon­zen­tra­ti­on von 2,13 mg/​g ergab.

Das Amts­ge­richt Ebers­wal­de sprach den Ange­klag­ten vom Vor­wurf der vor­sätz­li­chen Trun­ken­heit im Ver­kehr frei. Es bestehe ein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot, weil eine rich­ter­li­che oder staats­an­walt­schaft­li­che Anord­nung zur Blut­ent­nah­me nicht statt­ge­fun­den habe. Das Ergeb­nis der dem Ange­klag­ten ent­nom­me­nen Blut­pro­be kön­ne nicht ver­wer­tet wer­den. Dage­gen hat die Staats­an­walt­schaft Revi­si­on zum Ober­lan­des­ge­richt ein­ge­legt. Das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt hat das Urteil des Amts­ge­richts Ebers­wal­de auf­ge­ho­ben.

Der 2. Straf­se­nat des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts hat zur Begrün­dung aus­ge­führt, das Amts­ge­richt habe in sei­nem Urteil das Ergeb­nis der Mes­sung der Atem­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on nicht mit­ge­teilt. Im Urteil blei­be auch offen, ob der Ange­klag­te zur Art und Men­ge des von ihm getrun­ke­nen Alko­hols befragt wor­den sei und wel­che Anga­ben er hier­zu gemacht habe. So kön­ne nicht über­prüft wer­den, ob nicht schon etwai­ge Trink­men­gen­an­ga­ben und das Ergeb­nis der Mes­sung der Atem­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on – unab­hän­gig von dem ermit­tel­ten Blut­al­ko­hol­wert – den Ange­klag­ten über­führt hät­ten.

Es kön­ne – bis­lang – nicht von einem Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot bezüg­lich der Ent­nah­me einer Blut­pro­be aus­ge­gan­gen wer­den. Die Anord­nung der Ent­nah­me einer Blut­pro­be ste­he grund­sätz­lich allein dem Rich­ter zu. Nur bei einer Gefähr­dung des Unter­su­chungs­er­folgs durch die mit der Ein­ho­lung einer rich­ter­li­chen Ent­schei­dung ein­her­ge­hen­de Ver­zö­ge­rung bestehe auch eine Anord­nungs­kom­pe­tenz der Staats­an­walt­schaft und – nach­ran­gig – ihrer Ermitt­lungs­per­so­nen. Die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den müs­sen daher regel­mä­ßig ver­su­chen, eine Anord­nung des zustän­di­gen Rich­ters zu erlan­gen, bevor sie selbst eine Blut­pro­ben­ent­nah­me
anord­nen. Ob ein Ver­stoß gegen die­se Kom­pe­tenz­vor­schrif­ten ein straf­pro­zes­sua­les Ver­wer­tungs­ver­bot nach sich zie­he oder nicht, rich­te sich nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les.

Ein Ver­wer­tungs­ver­bot bestehe nur dann, wenn will­kür­lich eine Eil­kom­pe­tenz ange­nom­men wor­den sei oder ein ande­rer, eben­so schwer­wie­gen­der Ver­fah­rens­feh­ler vor­lie­ge. Das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt hat die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an eine ande­re Abtei­lung des Amts­ge­richts zurück­ver­wie­sen, das nun die not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen tref­fen muss.

Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2008 – 2 Ss 69/​08