Poli­zei­li­che Ein­las­sung – und der erst anschlie­ßend bean­trag­te Haft­be­fehl

Es ist nicht als sach­wid­rig zu beur­tei­len, dass die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den die Ent­schei­dung, einen Haft­be­fehl zu bean­tra­gen, erst tra­fen, nach­dem die Ange­klag­ten Gele­gen­heit gehabt hat­ten, sich zur Sache ein­zu­las­sen; eine bewuss­te Umge­hung des Rich­ter­vor­be­halts ist des­halb nicht ersicht­lich.

Poli­zei­li­che Ein­las­sung – und der erst anschlie­ßend bean­trag­te Haft­be­fehl

Im Übri­gen bedeu­tet die aus Art. 104 Abs. 2 Satz 2, Abs. 3 Satz 1 GG, § 128 Abs. 1 Satz 1 StPO fol­gen­de Pflicht, den Fest­ge­nom­me­nen unver­züg­lich, spä­tes­tens am Tage nach der Fest­nah­me einem Rich­ter vor­zu­füh­ren, dass die rich­ter­li­che Ent­schei­dung ohne jede Ver­zö­ge­rung, die sich nicht aus sach­li­chen Grün­den recht­fer­ti­gen lässt, nach­ge­holt wer­den muss 1.

Ein der­ar­ti­ger sach­li­cher Grund ist jeden­falls in der Regel u.a. dann anzu­neh­men, wenn der Beschul­dig­te sich nach sei­ner Fest­nah­me durch die Poli­zei bei die­ser nach ord­nungs­ge­mä­ßer Beleh­rung zu sei­ner Per­son und zur Sache ein­lässt; denn hier­aus kön­nen sich sowohl für den drin­gen­den Tat­ver­dacht als auch für die Fra­ge, ob ein Haft­grund anzu­neh­men ist, wesent­li­che, dem Fest­ge­nom­me­nen unter Umstän­den güns­ti­ge Gesichts­punk­te erge­ben, die bei den Ent­schei­dun­gen über die Bean­tra­gung und Anord­nung der Unter­su­chungs­haft zu berück­sich­ti­gen sind 2.

Es begrün­det auch regel­mä­ßig kei­nen Ver­stoß gegen Art. 104 Abs. 2 Satz 2, Abs. 3 Satz 1 GG, § 128 Abs. 1 Satz 1 StPO, wenn dem ein­las­sungs­be­rei­ten Fest­ge­nom­me­nen vor der Vor­füh­rung beim Rich­ter Anga­ben von Mit­be­schul­dig­ten vor­ge­hal­ten wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Febru­ar 2017 – 3 StR 415/​16

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 04.09.2009 – 2 BvR 2520/​07 22 mwN[]
  2. vgl. im Übri­gen schon BGH, Urteil vom 17.11.1989 – 2 StR 418/​89, NJW 1990, 1188[]