Por­nos für die Kin­der

Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he sind drei Ver­fas­sungs­be­schwer­den geschei­tert, die sich gegen Ver­bot der Ver­brei­tung por­no­gra­fi­scher Dar­bie­tun­gen im Inter­net an Min­der­jäh­ri­ge rich­te­ten.

Por­nos für die Kin­der

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den betref­fen das Ver­bot der Ver­brei­tung so genann­ter ein­fach por­no­gra­fi­scher Dar­bie­tun­gen im Inter­net an Min­der­jäh­ri­ge. Die Beschwer­de­füh­re­rin des ers­ten Ver­fah­rens 1, deren Geschäfts­füh­rer der Beschwer­de­füh­rer in der zwei­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de 2 ist, hat unter ande­rem ein Alters­nach­weis­sys­tem ver­trie­ben, wel­ches der Beschwer­de­füh­rer in der drit­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de 3 als Zugangs­kon­trol­le zu den von ihm im Inter­net ange­bo­te­nen por­no­gra­fi­schen Dar­stel­lun­gen ein­ge­setzt hat­te.

Wäh­rend sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de in dem Ver­fah­ren des Geschäfts­füh­rers unmit­tel­bar gegen die straf­recht­li­che Vor­schrift des § 184c a.F. StGB (heu­te: § 184d StGB) wen­det, lie­gen den bei­den ande­ren Ver­fah­ren 1 BvR 1231/​04 und 1 BvR 1184/​08 Ver­ur­tei­lun­gen der Beschwer­de­füh­rer in einem straf­recht­li­chen und einem wett­be­werbs­recht­li­chen Ver­fah­ren wegen der Ver­wen­dung oder wirt­schaft­li­chen Nut­zung der nach Auf­fas­sung der Fach­ge­rich­te unzu­rei­chen­den Alters­nach­weis­sys­te­me zugrun­de.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­den der drei Beschwer­de­füh­rer nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men. Alle drei Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind nach dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht aus­rei­chend begrün­det und daher unzu­läs­sig. Den Begrün­dun­gen kön­ne, so die Ver­fas­sungs­rich­ter in der Begrün­dung ihres Nicht­an­nah­me­be­schlus­ses, ins­be­son­de­re nicht ent­nom­men wer­den, war­um die Beschwer­de­füh­rer die ange­grif­fe­nen gesetz­li­chen Alters­nach­weis­pflich­ten im Hin­blick auf die Viel­zahl frei ver­füg­ba­rer por­no­gra­fi­scher Ange­bo­te im Inter­net für unge­eig­net hal­ten, Min­der­jäh­ri­ge vor even­tu­el­len nega­ti­ven Ein­flüs­sen der­ar­ti­ger Dar­stel­lun­gen zu schüt­zen. Auch wenn der Zugang zu por­no­gra­fi­schen Ange­bo­ten im Inter­net durch die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Sicher­stel­lung des aus­schließ­li­chen Erwach­se­nen­zu­gangs nicht völ­lig ver­hin­dert wird, kann er dadurch doch zumin­dest ver­rin­gert wer­den.

Eben­so ist die von den Beschwer­de­füh­rern auf­ge­stell­te Behaup­tung, dem Gesetz­ge­ber kön­ne eine Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve hin­sicht­lich der jugend­ge­fähr­den­den Wir­kung eines Medi­ums mitt­ler­wei­le nicht mehr zuge­stan­den wer­den, nicht aus­rei­chend dar­ge­legt. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den legen weder schlüs­sig dar, dass die­se vom Gesetz­ge­ber sei­ner­zeit als noch nicht abschlie­ßend geklärt ange­se­he­ne Fra­ge mitt­ler­wei­le durch gesi­cher­te Kennt­nis­se der Medi­en­wis­sen­schaft, der Ent­wick­lungs- und Sozi­al­psy­cho­lo­gie, der Päd­ago­gik und der Kri­mi­no­lo­gie in ein­deu­ti­ger Wei­se beant­wor­tet wor­den wäre, noch dass der Gesetz­ge­ber sich nicht in dem gebo­te­nen Maß um ihre Klä­rung bemüht habe.

Auch der gerüg­te Ver­stoß gegen das Bestimmt­heits­ge­bot des Art. 103 Abs. 2 GG genügt nicht den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen. Inso­weit set­zen sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­den nicht mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur hin­rei­chen­den Bestimmt­heit des Begriffs der Por­no­gra­fie als Tat­be­stands­merk­mal aus­ein­an­der. Sie zei­gen weder auf, dass die dor­ti­gen Erwä­gun­gen in dem hier in Fra­ge ste­hen­den Kon­text nicht zuträ­fen noch dass ver­än­der­te Umstän­de einem Fest­hal­ten an dem damals gefun­de­nen Ergeb­nis ent­ge­gen­stün­den.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Sep­tem­ber 2009 – 1 BvR 1231/​041 BvR 710/​051 BvR 1184/​08

  1. 1 BvR 1184/​08[]
  2. 1 BvR 710/​05[]
  3. 1 BvR 1231/​04[]