Prä­ven­tiv-poli­zei­li­che Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung – auf ver­fas­sungs­wid­ri­ger Basis

Die im Rah­men eines Gefah­ren­ab­wehr­vor­gangs durch das Bun­des­kri­mi­nal­amt ergrif­fe­nen, auf § 20g Abs. 1 bis 3, §§ 20h, 20k, 20l und 20m BKAG basie­ren­den Über­wa­chungs­maß­nah­men sind nicht des­halb recht­wid­rig, weil das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die­se Nor­men für mit dem Grund­ge­setz nicht ver­ein­bar erklärt hat 1.

Prä­ven­tiv-poli­zei­li­che Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung – auf ver­fas­sungs­wid­ri­ger Basis

Denn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat auch die (befris­te­te) Wei­ter­gel­tung die­ser Vor­schrif­ten ange­ord­net. Damit lag ins­be­son­de­re den für die Begrün­dung des Tat­ver­dachts wesent­li­chen, auf § 20l BKAG gestütz­ten Anord­nun­gen jeweils eine gül­ti­ge Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge zugrun­de 2.

Auch vor dem Hin­ter­grund der ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­si­gen Rund­um­über­wa­chung 3 begeg­nen die von dem Bun­des­kri­mi­nal­amt durch­ge­führ­ten prä­ven­tiv­po­li­zei­li­chen Über­wa­chungs­maß­nah­men für den Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Beden­ken.

Auch dass die amts­rich­ter­li­che Anord­nung der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung kei­ne Begrün­dung für die Maß­nah­me ent­hielt, berührt deren Recht­mä­ßig­keit im Ergeb­nis nicht. Eine Begrün­dungs­pflicht war im Zeit­punkt ihres Erlas­ses gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen. Zwar grün­det sich die Unver­ein­bar­keit von § 20l BKAG mit dem Grund­ge­setz unter ande­rem gera­de auf die­sen Umstand, dem im Hin­blick auf die Begrün­dungs­pflich­ten der § 20g Abs. 3 Satz 6, § 20h Abs. 4, § 20k Abs. 6 BKAG nicht aus­schließ­bar eine bewuss­te Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers zugrun­de lag 4. Indes hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die befris­te­te Fort­gel­tung der Norm inso­weit nicht von wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig gemacht. Inso­weit ist § 20l BKAG wäh­rend der Über­gangs­zeit in sei­ner bis­he­ri­gen Fas­sung anwend­bar.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Janu­ar 2017 – StB 26 und 28/​14

  1. BVerfG, Urteil vom 20.04.2016 – 2 BvR 966/​09 u.a., BVerfGE 141, 220, 351 f.[]
  2. s. zu den Fol­gen der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit einer Norm für das Straf­ver­fah­ren im Fal­le der feh­len­den Wei­ter­gel­tungs­an­ord­nung BGH, Urteil vom 14.08.2009 – 3 StR 552/​08, BGHSt 54, 69, 86 ff.[]
  3. s. hier­zu BVerfG, Urteil vom 20.04.2016 – 2 BvR 966/​09 u.a., BVerfGE 141, 220, 317 f. mwN; BGH, Urteil vom 14.08.2009 – 3 StR 552/​08, BGHSt 54, 69, 104 ff.[]
  4. BVerfG, Urteil vom 20.04.2016 – 1 BvR 966/​09 u.a., BVerfGE 141, 220, 312; s. zur Begrün­dungs­pflicht für ange­ord­ne­te Ermitt­lungs­maß­nah­men auch BGH, Beschluss vom 01.08.2002 – 3 StR 122/​02, BGHSt 47, 362, 366[]