Pro­to­kol­lie­rung beim Selbst­le­se­ver­fah­ren in der Haupt­ver­hand­lung

Eine Pro­to­koll­be­rich­ti­gung mit der Fol­ge einer „Rüge­ver­küm­me­rung“ ist nicht mög­lich, wenn in der Haupt­ver­hand­lung Fest­stel­lun­gen über die Kennt­nis­nah­me vom Wort­laut der Urkun­den im Selbst­le­se­ver­fah­ren unter­blie­ben sind.

Pro­to­kol­lie­rung beim Selbst­le­se­ver­fah­ren in der Haupt­ver­hand­lung

Die Mit­schrif­ten, die ein nun­mehr als Zeu­ge ver­nom­me­ner Rich­ter in einer frü­he­ren Haupt­ver­hand­lung als erken­nen­der Rich­ter ange­fer­tigt hat, sind einer Beweis­auf­nah­me nicht zugäng­lich.

Die dienst­li­chen Äuße­run­gen der Berufs­rich­ter und Schöf­fen, vom Inhalt eines bestimm­ten Ord­ners sehr wohl Kennt­nis genom­men zu haben, obwohl in das Haupt­ver­hand­lungs­pro­to­koll kei­ne dahin gehen­de Fest­stel­lung gemäß § 249 Abs. 2 S. 3 StPO auf­ge­nom­men wor­den ist, sind für den BGH unbe­acht­lich. Eine Berich­ti­gung des Pro­to­kolls mit der Fol­ge der „Ver­küm­me­rung“ der vom Ange­klag­ten erho­be­nen Ver­fah­rens­rüge wäre nicht mög­lich gewe­sen [1]. Das Pro­to­koll ist inhalt­lich rich­tig, weil der zu pro­to­kol­lie­ren­de Ver­fah­rens­vor­gang der Fest­stel­lung über die Kennt­nis­nah­me in der Haupt­ver­hand­lung tat­säch­lich nicht statt­ge­fun­den hat. Auf Grund sei­ner nega­ti­ven Beweis­kraft hat der BGH damit auch davon aus­zu­ge­hen, dass der Inhalt der Urkun­den nicht zur Kennt­nis gelangt war [2], soweit das Land­ge­richt ihn nicht durch Ver­le­sung ein­zel­ner Bestand­tei­le des betrof­fe­nen Selbst­le­se­ord­ners in die Haupt­ver­hand­lung ein­ge­führt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Juli 2009 – 2 StR 54/​09

  1. vgl. zu deren grund­sätz­li­cher Zuläs­sig­keit die Beschlüs­se des Gro­ßen Senats für Straf­sa­chen vom 23. April 2007, GSSt 1/​06 = BGHSt 51, 298, 308 ff. und des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 15. Janu­ar 2009, 2 BvR 2044/​07 = NJW 2009, 1469[]
  2. BGH NStZ 2000, 47; 2005, 160[]