Pro­zes­sua­le Tati­den­ti­tät

Eine ein­heit­li­che Tat im Sin­ne von § 264 StPO ist gege­ben, wenn die ein­zel­nen Hand­lun­gen nicht nur äußer­lich inein­an­der über­ge­hen, son­dern wegen der ihnen zugrun­de lie­gen­den Vor­komm­nis­se unter Berück­sich­ti­gung ihrer straf­recht­li­chen Bedeu­tung auch inner­lich der­art mit­ein­an­der ver­knüpft sind, dass der Unrechts- und Schuld­ge­halt der einen Hand­lung nicht ohne die Umstän­de, die zu der ande­ren Hand­lung geführt haben, rich­tig gewür­digt wer­den kann und ihre getrenn­te Wür­di­gung und Abur­tei­lung als unna­tür­li­che Auf­spal­tung eines ein­heit­li­chen Lebens­vor­gangs emp­fun­den wür­de [1].

Pro­zes­sua­le Tati­den­ti­tät

Sofern das mate­ri­el­le Recht nicht aus­nahms­wei­se meh­re­re selb­stän­di­ge Sach­ver­hal­te zu einer Hand­lungs­ein­heit zusam­men­fasst [2], ist pro­zes­sua­le Tati­den­ti­tät ins­be­son­de­re anzu­neh­men bei mate­ri­ell­recht­li­cher Tat­ein­heit [3].

Zwar hat der blo­ße gleich­zei­ti­ge Besitz von Betäu­bungs­mit­teln nicht die Kraft, meh­re­re selb­stän­di­ge Straf­ta­ten des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln zur Tat­ein­heit zu ver­klam­mern [4]. Gleich­ar­ti­ge Tat­ein­heit ist aber u.a. dann anzu­neh­men, wenn die Art und Wei­se der Besitz­aus­übung im Ein­zel­fall über blo­ße Gleich­zei­tig­keit hin­aus­geht und die Wer­tung recht­fer­tigt, dass die tat­säch­li­che Aus­übung des Besit­zes über die eine Men­ge zugleich die tat­säch­li­che Besitz­aus­übung über die ande­re dar­stellt, denn dies begrün­det Iden­ti­tät der jewei­li­gen Teil­ak­te des Han­del­trei­bens [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. April 2015 – 3 StR 642/​14

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 24.11.2004 – 5 StR 206/​04, BGHSt 49, 359, 361[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 11.06.1980 – 3 StR 9/​80, BGHSt 29, 288[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 19.12 1995 – KRB 33/​95, BGHSt 41, 385, 389[]
  4. BGH, Urteil vom 01.10.1997 – 2 StR 520/​96, BGHSt 43, 252, 261; Urteil vom 28.09.1994 – 3 StR 261/​94, NStZ 1995, 37, 38; Beschluss vom 13.10.1998 – 4 StR 315/​98, NStZ-RR 1999, 119, 120[]
  5. LK/​Rissingvan Saan, StGB, 12. Aufl., vor § 52 ff. Rn. 43; Weber, BtMG, 4. Aufl., vor §§ 29 ff. Rn. 599; zur Ver­mi­schung unter­schied­li­cher Men­gen BGH, Urteil vom 08.04.1997 – 1 StR 65/​97, NStZ-RR 1997, 227[]