Pro­zess­un­fä­hig­keit des Antrag­stel­lers im Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren

Sind dem Antrag­stel­ler im Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren (hier: Pozess­kos­ten­hil­fe­an­trag) sei­ne Pro­zess­un­fä­hig­keit und das Rechts­in­sti­tut einer Betreu­er­be­stel­lung nach § 1896 BGB bereits bekannt, bedarf es vor der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts kei­nes Hin­wei­ses auf die feh­len­de Pro­zess­fä­hig­keit und die Mög­lich­keit zur Behe­bung des Man­gels durch Bestel­lung eines Betreu­ers.

Pro­zess­un­fä­hig­keit des Antrag­stel­lers im Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren

Einen Antrag auf Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe kann nur ein Pro­zess­fä­hi­ger stel­len, da es sich um eine Pro­zess­erklä­rung han­delt, die nach den anzu­wen­den­den Regeln der ZPO Rechts­wir­kun­gen nur bei Abga­be durch eine pro­zess­fä­hi­ge Per­son aus­lö­sen kann (§ 51 Abs. 1 ZPO; Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 05.12.2014 – 2 Ws 431 – 432/​14); mit­hin müss­te der gesetz­li­che Ver­tre­ter han­deln 1.

Die­se Rechts­auf­fas­sung steht – jeden­falls bei der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on – nicht im Wider­spruch zur Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 06.12.2013 2. Danach muss das Pro­zess­ge­richt einer pro­zess­un­fä­hi­gen Per­son, die kei­nen gesetz­li­chen Ver­tre­ter hat, ihr Gele­gen­heit geben, für eine ord­nungs­ge­mä­ße Ver­tre­tung zu sor­gen, bevor es ihre Kla­ge als unzu­läs­sig abweist; dabei hat es auf das Feh­len ihrer ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­tre­tung (§ 51 ZPO) und die Mög­lich­keit zur Behe­bung des Man­gels durch die Bestel­lung eines Betreu­ers nach § 1896 BGB hin­zu­wei­sen, des­sen Auf­ga­ben­kreis auf die Füh­rung des Rechts­streits beschränkt wer­den kann 3.

Im Unter­schied zu jener Ent­schei­dung steht vor­lie­gend schon nach dem eige­nen Vor­brin­gen des Anzei­ge­er­stat­ters fest, dass die­sem seit län­ge­rer Zeit bekannt ist, dass es bei ihm an der Pro­zess­fä­hig­keit fehlt. Auch in frü­he­ren bei dem Ober­lan­des­ge­richt anhän­gi­gen Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren hat er die­sen Umstand bereits aus­drück­lich vor­ge­tra­gen. Ange­sichts des­sen hät­te für ihn schon zuvor Anlass bestan­den, sich für die­sen Rechts­streit vor­sorg­lich um die Bestel­lung eines Betreu­ers zu bemü­hen 4. Dabei kommt hin­zu, dass der Anzei­ge­er­stat­ter frü­her schon ein­mal unter Betreu­ung gestan­den hat, sodass ihm die­ses Rechts­in­sti­tut wohl­ver­traut ist. Aus die­sem Grund war es im Unter­schied zur Sach- und Rechts­la­ge in dem vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht gebo­ten, den Anzei­ge­er­stat­ter zunächst auf die Mög­lich­keit der Bestel­lung eines Betreu­ers hin­zu­wei­sen.

Im Hin­blick dar­auf kann dahin gestellt blei­ben, ob sich der Anzei­ge­er­stat­ter einer mög­li­chen Bestel­lung eines Betreu­ers für die­ses Ver­fah­ren nicht ohne­hin wider­set­zen wür­de 4. Dies läge kei­nes­wegs fern, nach­dem es in dem gegen­wär­tig anhän­gi­gen Ver­fah­ren des Amts­ge­richts immer­hin der Fall ist. Berück­sich­tigt man dar­über hin­aus das Vor­brin­gen des Anzei­ge­er­stat­ters unter Her­an­zie­hung der Akten­la­ge wäre dar­über hin­aus höchst­wahr­schein­lich anzu­neh­men, dass ein Betreu­er einen Antrag in einem Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren ohne­hin nicht geneh­mi­gen wür­de 5.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 31. März 2015 – 2 Ws 48/​15

  1. OLG Düs­sel­dorf wis­tra 1989, 120; OLG Ham­burg NJW 1966, 1934; KG Ber­lin JR 1960, 29; SK-StPO/­Woh­lers, 4. Aufl., § 172 Rn. 65; LR-Graal­mann-Schee­rer, StPO, 26. Aufl., § 172 Rn. 46; KK-Mol­den­hau­er, StPO, 7. Aufl., § 172 Rn. 17; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Aufl., § 172 Rn. 21a; vgl. auch OLG Stutt­gart NStZ 2010, 654[]
  2. BGH, Beschluss vom 06.12.2013 – V ZR 8/​13, Fam­RZ 2014, 553[]
  3. BGH, aaO[]
  4. vgl. BGH, aaO[][]
  5. vgl. hier­zu BGHZ 110, 294[]