Quä­le­ri­sche Tier­miss­hand­lung durch eine Tier­ärz­tin

Eine Tier­ärz­tin, die wegen Miss­hand­lung von Wir­bel­tie­ren ver­ur­teilt wor­den ist, kann nicht mit einem Berufs­ver­bot bestraft wer­den, wenn die Tier­hal­tung in pri­va­tem Umfeld statt­fand und ihr Beruf nicht in einer unmit­tel­ba­ren Bezie­hung zu der began­ge­nen Tat stand. Für den Tat­be­stand der quä­le­ri­schen Miss­hand­lung von Tie­ren reicht allein die nicht art­ge­rech­te Hal­tung nicht aus.

Quä­le­ri­sche Tier­miss­hand­lung durch eine Tier­ärz­tin

Mit die­ser Begrün­dung hat das Pfäl­zi­sche Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Revi­sio­nen der Gene­ral­staats­an­walt­schaft und der Ange­klag­ten als unbe­grün­det ver­wor­fen und damit das Urteil des Land­ge­richts Land­au in der Pfalz [1] bestä­tigt. In dem Ver­fah­ren ging es um eine Tier­ärz­tin aus Born­heim, die u.a. wegen quä­le­ri­scher Miss­hand­lung von Wir­bel­tie­ren sowie Betrug ange­klagt war. Sie hat außer­halb ihrer Berufs­aus­übung – in den ihr gehö­ren­den Wohn­an­we­sen in Born­heim eine Viel­zahl von Hun­den und Kat­zen sowie wei­te­re Tie­re gehal­ten, ohne die­se tier­ge­recht zu ver­sor­gen. Ins­be­son­de­re setz­te die Ange­klag­te die­se Tie­re erheb­li­chen Lei­den dadurch aus, dass sie dau­er­haf­ten mas­si­ven Schad­gas­be­las­tun­gen aus­ge­setzt waren, zu wenig Tages­licht hat­ten, über einen län­ge­ren Zeit­raum iso­liert gehal­ten wur­den, kei­nen aus­rei­chen­den Aus­lauf hat­ten, ihnen nur unzu­rei­chen­de Lie­ge­flä­chen zur Ver­fü­gung stan­den und sie nicht im erfor­der­li­chen Umfang gesund­heit­lich ver­sorgt wur­den.

Das Land­ge­richt Land­au in der Pfalz hat hier­bei bereits als Beru­fungs­ge­richt ent­schie­den, nach­dem das Amts­ge­richt Land­au in der Pfalz als Schöf­fen­ge­richt in der ers­ten Instanz die Ange­klag­te zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von 2 Jah­ren und 6 Mona­ten ver­ur­teilt hat­te. Wei­ter hat­te es die nicht nur kurz­fris­ti­ge Betreu­ung von Tie­ren für fünf Jah­re unter­sagt und für die Dau­er von drei Jah­ren ein Berufs­ver­bot für die Tier­ärz­tin ver­hängt.

Das Land­ge­richt hat die Ange­klag­te zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von 9 Mona­ten ohne Bewäh­rung wegen quä­le­ri­scher Miss­hand­lung von Wir­bel­tie­ren sowie Betru­ges in zwei Fäl­len ver­ur­teilt. Dane­ben hat das Land­ge­richt ein Ver­bot des Hal­tens und Betreu­ens von Tie­ren für die Dau­er von vier Jah­ren ange­ord­net. Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts hat­te die Ange­klag­te meh­re­re, von ihr pri­vat gehal­te­ne Tie­re nicht art­ge­recht ver­sorgt sowie in zwei Fäl­len über­höh­te Tier­pen­si­ons- bzw. Tier­be­hand­lungs­kos­ten ver­ein­nahmt. Von dem Vor­wurf, zudem zwei Kän­gu­rus nebst Jung­tier miss­han­delt zu haben, hat das Land­ge­richt die Ange­klag­te aus tat­säch­li­chen Grün­den frei­ge­spro­chen.

Gegen die Ent­schei­dung des Land­ge­richts Land­au in der Pfalz haben sich sowohl die Staats­an­walt­schaft als auch die Ange­klag­te mit der Revi­si­on gewehrt. Die Staats­an­walt­schaft wand­te sich gegen den Teil-Frei­spruch hin­sicht­lich der quä­le­ri­schen Miss­hand­lung von zwei Kän­gu­rus sowie das Straf­maß und die Nicht­an­ord­nung eines Berufs­ver­bots und die Ange­klag­te woll­te die Aner­ken­nung einer ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit und eine Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung errei­chen.

Nach Auf­fas­sung des Pfäl­zi­schen Ober­lan­des­ge­richts Zwei­brü­cken sei die beruf­li­che Stel­lung der Ange­klag­ten als Tier­ärz­tin mit Blick auf die pri­va­te Natur der Tier­hal­tung zu Recht nicht schul­der­schwe­rend gewer­tet wor­den, weil ihr Beruf nicht in einer unmit­tel­ba­ren Bezie­hung zu der began­ge­nen Tat stand. Aus die­sem Grund sei es auch frei von Rechts­feh­lern, kein Berufs­ver­bot anzu­ord­nen.

Aller­dings sei die Stra­fe auch nicht wegen der Per­sön­lich­keits­stö­rung der Ange­klag­ten wei­ter zu mil­dern. Zwar mani­fes­tier­te sich die­se Stö­rung im Hal­ten und Züch­ten von Tie­ren, die Ange­klag­te sei jedoch in ihrer Steue­rungs­fä­hig­keit nicht ein­ge­schränkt. Außer­dem ist die Ver­sa­gung der Aus­set­zung der Stra­fe zur Bewäh­rung eben­falls als rechts­feh­ler­frei gebil­ligt wor­den, weil das Land­ge­richt zu Recht auf das Nacht­at­ver­hal­ten der Ange­klag­ten abge­stellt habe. Sie habe sich von den behörd­li­chen Maß­nah­men weit­ge­hend unbe­ein­druckt gezeigt und es trotz ver­hal­tens­the­ra­peu­ti­scher Betreu­ung wei­ter dar­auf ange­legt, Tie­re zu hal­ten. Fer­ner habe sie sich wäh­rend des Ver­fah­rens erneut straf­bar gemacht, indem sie wei­ter Tie­re tier­ärzt­lich behan­delt hat, obwohl ihre Appro­ba­ti­on ruh­te.

Wei­ter­hin sei der Teil-Frei­spruch bezüg­lich der Kän­gu­ru-Hal­tung eben­falls zu bestä­ti­gen, da allein die nicht art­ge­rech­te Hal­tung den Tat­be­stand der quä­le­ri­schen Miss­hand­lung von Tie­ren nicht erfül­le. Hin­zu­tre­ten müss­ten empi­risch objek­ti­vier­ba­re Lei­dens­an­zei­chen wie z.B. Ver­hal­tens­stö­run­gen der Tie­re, die hier nach den Fest­stel­lun­gen des sach­ver­stän­dig bera­te­nen Land­ge­richts Land­au nicht vor­la­gen.

Pfäl­zi­sches Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken, Urteil vom 22. Juni 2020 – 1 OLG 2 Ss 737/​19

  1. LG Land­au, Urteil vom 14.05.2019 – 7111 Js 4222/​17[]