Räu­be­ri­sche Erpres­sung – und die Dro­hung mit einer gegen­wär­ti­gen Gefahr

Mit einer gegen­wär­ti­gen Gefahr droht, wer eine Schä­di­gung an Leib oder Leben in Aus­sicht stellt, die bei unge­stör­ter (natür­li­cher) Wei­ter­ent­wick­lung der Din­ge als sicher oder höchst wahr­schein­lich zu erwar­ten ist, falls nicht als­bald eine Abwehr­maß­nah­me ergrif­fen wird.

Räu­be­ri­sche Erpres­sung – und die Dro­hung mit einer gegen­wär­ti­gen Gefahr

Erfor­der­lich ist dabei nicht, dass das schä­di­gen­de Ereig­nis mit Sicher­heit unmit­tel­bar bevor­steht. Es genügt eine Gefahr, die als „Dau­er­ge­fahr“ über einen län­ge­ren Zeit­raum in dem Sin­ne gegen­wär­tig ist, dass sie jeder­zeit – zu einem unge­wis­sen Zeit­punkt, als­bald oder auch spä­ter – in einen Scha­den umschla­gen kann. Dabei erfor­dert es der wirk­sa­me Schutz von Erpres­sungs­op­fern, den Begriff der Gegen­wär­tig­keit ange­droh­ter Gefah­ren nicht zu eng zu ver­ste­hen [1].

Die­ses Ver­ständ­nis des gesetz­li­chen Begriffs der „gegen­wär­ti­gen Gefahr“ schließt nicht aus, dass der Ange­klag­te nicht mit einer sofor­ti­gen Zah­lung des Geschä­dig­ten gerech­net hat. Die einer Gewalt­an­wen­dung (hier: Schlag ins Gesicht) nach­fol­gen­de Droh­ge­bär­de mit dem Mes­ser ist auf Grund ihrer Nähe zum Kör­per des Geschä­dig­ten so ein­dring­lich, dass dar­in ohne Ver­stoß gegen Aus­le­gungs­re­geln [2] die Andro­hung einer Gefahr gese­hen wer­den kann, die sich ab die­sem Moment jeder­zeit ver­wirk­li­chen kann und des­halb als Dau­er­ge­fahr gegen­wär­tig ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Okto­ber 2014 – 4 StR 208/​14

  1. BGH, Urteil vom 30.06.1999 – 2 StR 146/​99, BGHR StGB § 255 Dro­hung 11; Urteil vom 27.08.1998 – 4 StR 332/​98, NStZ-RR 1999, 266, 267; Urteil vom 28.08.1996 – 3 StR 180/​96, JR 1999, 117, 118 m. Anm. Joer­den; Urteil vom 10.02.1982 – 3 StR 398/​81, MDR 1982, 447 bei Holtz[]
  2. zum revi­si­ons­recht­li­chen Prü­fungs­maß­stab vgl. BGH, Urteil vom 30.06.1999 – 2 StR 146/​99, BGHR StGB § 255 Dro­hung 11[]