Raub mit Todes­fol­ge – und die Haf­tung des Mit­tä­ters

Eine Ver­ur­tei­lung wegen einer Straf­tat nach § 251 StGB setzt vor­sätz­li­ches Han­deln vor­aus; nur hin­sicht­lich der schwe­ren Fol­ge genügt Leicht­fer­tig­keit (§ 18 StGB).

Raub mit Todes­fol­ge – und die Haf­tung des Mit­tä­ters

Hat bei einem Raub mit Todes­fol­ge ledig­lich einer von meh­re­ren Tat­be­tei­lig­ten den qua­li­fi­zie­ren­den Erfolg ver­ur­sacht, so sind die ande­ren gemäß § 251 StGB nur straf­bar, wenn sich ihr zumin­dest beding­ter Vor­satz auf die Gewalt­an­wen­dun­gen erstreckt, durch wel­che der qua­li­fi­zie­ren­de Erfolg her­bei­ge­führt wor­den ist, und wenn ihnen in Bezug auf die Todes­fol­ge wenigs­tens Leicht­fer­tig­keit vor­zu­wer­fen ist 1.

Für eine Ver­ur­tei­lung wegen Rau­bes mit Todes­fol­ge im Sin­ne von § 251 StGB kommt nur die Zurech­nung der Fol­gen sol­cher Hand­lun­gen in Betracht, die der Täter zumin­dest mit beding­tem Vor­satz gewollt hat. Eine Bestra­fung nach die­ser Bestim­mung kann daher nur erfol­gen, wenn das Opfer infol­ge einer vom Täter gebil­lig­ten Gewalt­an­wen­dung gestor­ben ist 2.

Ein Betei­lig­ter haf­tet gemäß § 251 StGB als Mit­tä­ter nur für Fol­gen der­je­ni­gen Hand­lun­gen des den Tod des Opfers unmit­tel­bar her­bei­füh­ren­den Täters, die er in sei­ne Vor­stel­lun­gen von dem Tat­ge­sche­hen ein­be­zo­gen hat­te 3.

Zwar ist es für eine gemein­schaft­li­che Tat­be­ge­hung nicht erfor­der­lich, dass jeder der Mit­tä­ter eigen­hän­dig an der zum Tode füh­ren­den Ver­let­zungs­hand­lung teil­nimmt. Auch begrün­det nicht jede Abwei­chung des tat­säch­li­chen Gesche­hens von dem ver­ein­bar­ten Tat­plan bzw. den Vor­stel­lun­gen des Mit­tä­ters die Annah­me eines Exzes­ses. Die dem Opfer zuge­füg­ten Kör­per­ver­let­zun­gen dür­fen jedoch nicht von wesent­lich ande­rer Art und Beschaf­fen­heit sein, als der Mit­tä­ter es woll­te und sich vor­stell­te 4.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann im Hin­blick auf die deut­lich erhöh­te Straf­dro­hung in § 239a Abs. 3 bzw. § 251 StGB von einer leicht­fer­ti­gen Todes­ver­ur­sa­chung "durch die Tat" nur dann aus­ge­gan­gen wer­den, wenn nicht nur der Ursa­chen­zu­sam­men­hang im Sin­ne der Bedin­gungs­theo­rie gege­ben ist, son­dern sich im Tod des Opfers tat­be­stands­spe­zi­fi­sche Risi­ken ver­wirk­li­chen, die typi­scher­wei­se mit dem Grund­tat­be­stand ein­her­ge­hen 5.

Aus einer sich über eine län­ge­re Dau­er erstre­cken­den Bemäch­ti­gungs­la­ge kön­nen psy­chi­sche Belas­tun­gen nicht nur für das Opfer, son­dern auch für den Täter fol­gen, ins­be­son­de­re wegen der Befürch­tung ent­deckt zu wer­den. Die nahe lie­gen­de Mög­lich­keit, dass ein nich­ti­ger Anlass oder ein Miss­ver­ständ­nis auf Grund anspan­nungs­be­ding­ter Fehl­ein­schät­zung zu einem Gewalt­aus­bruch gegen­über dem Opfer führt, kann daher eine tat­be­stands­ty­pi­sche Gefahr im Sin­ne von § 239a Abs. 3 StGB dar­stel­len.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits mehr­fach dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der für § 251 StGB erfor­der­li­che qua­li­fi­ka­ti­ons­spe­zi­fi­sche Zusam­men­hang nicht nur gege­ben ist, wenn der Täter durch eine Nöti­gungs­hand­lung, die der Ermög­li­chung der Weg­nah­me dient, den Tod des Opfers her­bei­führt. Bei einer auf den Zweck der Vor­schrift des § 251 StGB abstel­len­den Betrach­tungs­wei­se ist der beson­de­re Zusam­men­hang auch dann gege­ben, wenn die den Tod des Opfers her­bei­füh­ren­de Hand­lung zwar nicht mehr in fina­ler Ver­knüp­fung mit der Weg­nah­me steht, sie mit dem Raub­ge­sche­hen aber der­art eng ver­bun­den ist, dass sich in der Todes­fol­ge die der kon­kre­ten Raub­tat eigen­tüm­li­che beson­de­re Gefähr­lich­keit ver­wirk­licht 6. Dem­zu­fol­ge kann der Tat­be­stand des § 251 StGB auch dann gege­ben sein, wenn der Täter die zum Tode füh­ren­de Gewalt nicht mehr zur Ermög­li­chung der Weg­nah­me, son­dern zur Flucht oder Beu­te­si­che­rung anwen­det, sofern sich in der schwe­ren Fol­ge noch die spe­zi­fi­sche Gefahr des Rau­bes rea­li­siert, und der Raub bzw. die räu­be­ri­sche Erpres­sung noch nicht been­det war 7.

Gemes­sen dar­an wird der Fra­ge der Been­di­gung des mög­li­cher­wei­se ein­heit­li­chen Raub- bzw. Erpres­sungs­ge­sche­hens und des Beweg­grun­des für die (todes­ur­säch­li­che) Gewalt­an­wen­dung grö­ße­re Bedeu­tung bei­zu­mes­sen und dies ein­ge­hend zu prü­fen und dar­zu­le­gen sein.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2016 – 4 StR 72/​15

  1. BGH, Beschluss vom 16.04.1993 – 3 StR 14/​93, BGHR StGB § 251 Todes­fol­ge 2; Urteil vom 18.12 2007 – 1 StR 301/​07, NStZ 2008, 280[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 16.04.1993 aaO[]
  3. BGH, Beschluss vom 16.09.2009 – 2 StR 259/​09, NStZ 2010, 81[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 16.09.2009 – 2 StR 259/​09, NStZ 2010, 81 f.[]
  5. BGH, Urteil vom 18.09.1985 – 2 StR 378/​85, BGHSt 33, 322 zum Tat­be­stand der Gei­sel­nah­me; Urteil vom 15.05.1992 – 3 StR 535/​91, BGHSt 38, 295, 298 zu § 251 StGB[]
  6. BGH, Urteil vom 27.05.1998 – 3 StR 66/​98, NJW 1998, 3361 für den Ver­such des § 251 StGB[]
  7. BGH, Urtei­le vom 15.05.1992 – 3 StR 535/​91, BGHSt 38, 295, 298; vom 25.03.2009 – 5 StR 31/​09, BGHSt 53, 234, 236 zu § 250 StGB; vgl. auch BGH, Urtei­le vom 06.04.1965 – 1 StR 73/​65, BGHSt 20, 194, 196; vom 15.05.1992 – 3 StR 535/​91, BGHSt 38, 295, 297 f.; Beschluss vom 01.10.2008 – 5 StR 445/​08, BGHSt 52, 376, 378[]