Raub mit Todes­fol­ge – und die spä­ten Schlä­ge des Mittäters

Ein (suk­zes­siv) mit­tä­ter­schaft­lich began­ge­ner Raub mit Todes­fol­ge (§ 251 StGB) kann auch dann vor­lie­gen, wenn das bekann­ter­ma­ßen gesund­heit­lich vor­ge­schä­dig­te und über einen län­ge­ren Zeit­raum zum Zweck der Beu­teer­lan­gung miss­han­del­te Tat­op­fer den töd­li­chen Herz­in­farkt erst infol­ge der ihm von einer Mit­tä­te­rin aus Wut über die uner­gie­bi­ge Tat­beu­te ver­setz­ten Schlä­ge und des dadurch ver­ur­sach­ten zusätz­li­chen Stres­ses erlit­ten hat.

Raub mit Todes­fol­ge – und die spä­ten Schlä­ge des Mittäters

Zwar kann nach der Recht­spre­chung ein qua­li­fi­ka­ti­ons­spe­zi­fi­scher Zusam­men­hang im Sin­ne des § 251 StGB dann nicht mehr rea­li­siert wer­den, wenn der Raub bei der zum Tode füh­ren­den Gewalt­an­wen­dung bereits been­det war [1].

Dies war im hier ent­schie­de­nen Fall aber nicht gege­ben, denn der Ange­klag­te und sei­ne Mit­tä­te­rin hat­ten den Tat­ort noch nicht mit der Beu­te ver­las­sen und damit jeden­falls noch kei­nen gesi­cher­ten Gewahr­sam an die­ser erlangt. Es kann daher dahin­ste­hen, ob inso­weit über­haupt schon eine Voll­endung der beab­sich­tig­ten Weg­nah­me vor­lag [2].

Dass die Gewalt­hand­lung nicht der Beu­teer­lan­gung- oder siche­rung dien­te, stellt den qua­li­fi­ka­ti­ons­spe­zi­fi­schen Zusam­men­hang hier eben­falls nicht in Fra­ge. Denn ein sol­cher Zusam­men­hang kann auch dann zu beja­hen sein, wenn die den Tod des Opfers her­bei­füh­ren­de Hand­lung mit dem Raub­ge­sche­hen der­art ver­knüpft ist, dass sich in der Todes­fol­ge die der kon­kre­ten Raub­tat eigen­tüm­li­che beson­de­re Gefähr­lich­keit ver­wirk­licht [3].

Dies war vor­lie­gend der Fall. Denn unter den hier gege­be­nen Umstän­den bestand die kon­kre­te Gefahr, dass es in Fort­set­zung des bis­he­ri­gen lang hin­ge­zo­ge­nen Gesche­hens auch aus Wut über die uner­gie­bi­ge Tat­beu­te zu Über­grif­fen auf das bis dahin bereits viel­fach und erheb­lich miss­han­del­te Tat­op­fer durch einen der Raub­tä­ter kommt. Die­se Gefahr hat sich letzt­lich auch verwirklicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Okto­ber 2020 – 4 StR 602/​19

Raub mit Todesfolge - und die späten Schläge des Mittäters
  1. vgl. BGH, Beschluss vom 24.04.2019 – 2 StR 469/​18, NStZ 2019, 730 Rn. 10 [nicht mehr nach end­gül­tig geschei­ter­tem Ver­such]; Beschluss vom 20.06.2017 – 2 StR 130/​17, NStZ 2017, 638, 639 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 10.09.2020 – 4 StR 14/​20, Rn. 8; Urteil vom 18.02.2010 – 3 StR 556/​09, NStZ 2011, 158 Rn. 10 f.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 24.04.2019 – 2 StR 469/​18, NStZ 2019, 730 Rn. 8 [Tötung aus Wut über nicht erlang­te Beu­te]; Urteil vom 14.01.2016 – 4 StR 72/​15, NStZ 2016, 211 Rn. 27 [Gewalt­aus­bruch auf­grund eines Miss­ver­ständ­nis­ses]; Beschluss vom 13.08.2002 – 3 StR 204/​02, NStZ 2003, 34 [Wut über das Schei­tern des Raub­vor­ha­bens; Ein­satz der zu Nöti­gungs­zwe­cken mit­ge­führ­ten Schuss­waf­fe]; Urteil vom 23.12.1998 – 3 StR 319/​98, NJW 1999, 1039, 1040 [Erwür­gen des zuvor zur Beu­teer­lan­gung betäub­ten, aber über­ra­schend erwach­ten Opfers, um sich aus des­sen Hal­te­griff zu befrei­en]; Urteil vom 27.05.1998 – 3 StR 66/​98, NStZ 1998, 511, 512 [unmit­tel­ba­rer Über­gang der zur Weg­nah­me ein­ge­setz­ten Gewalt in Gewalt zur Flucht­si­che­rung]; Urteil vom 20.03.1997 ? 5 StR 617/​96, NStZ-RR 1997, 269, 270 [Herz­in­farkt auf­grund der raub­be­ding­ten Stress­si­tua­ti­on]; Urteil vom 15.05.1992 – 3 StR 535/​91, BGHSt 38, 295, 298 f. [töd­li­cher Schuss­waf­fen­ge­brauch auf der Flucht][]