Raub – und die suk­zes­si­ve Mit­tä­ter­schaft

Suk­zes­si­ve Mit­tä­ter­schaft, die sich auch auf die Ver­wirk­li­chung von qua­li­fi­zie­ren­den Merk­ma­len [1] bezie­hen kann, liegt vor, wenn in Kennt­nis und mit Bil­li­gung des bis­her Gesche­he­nen – auch wenn dies von dem ursprüng­li­chen gemein­sa­men Tat­plan abweicht – in eine bereits begon­ne­ne Aus­füh­rungs­hand­lung als Mit­tä­ter ein­ge­tre­ten wird.

Raub – und die suk­zes­si­ve Mit­tä­ter­schaft

Das Ein­ver­ständ­nis bezieht sich dann auf die Gesamt­tat mit der Fol­ge, dass die­se straf­recht­lich zuge­rech­net wird. Nur für das, was voll­stän­dig abge­schlos­sen vor­liegt, ver­mag das Ein­ver­ständ­nis die straf­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keit nicht zu begrün­den, selbst wenn die hin­zu­tre­ten­de Per­son des­sen Fol­gen kennt, bil­ligt und aus­nutzt [2].

Ein die Mit­tä­ter­schaft begrün­den­der Ein­tritt kann vor der Voll­endung der Tat erfol­gen, etwa indem eine auf die Voll­endung der geplan­ten Tat abzie­len­de Hand­lung in Kennt­nis des bis­her Gesche­he­nen vor­ge­nom­men oder fort­ge­setzt wird [3].

Sie ist aber auch noch nach der straf­recht­li­chen Tat­voll­endung mög­lich, solan­ge der zunächst allein Han­deln­de die Tat noch nicht been­det hat [4]. Des­halb kann die Zurech­nung einer vom ursprüng­li­chen Tat­plan nicht umfass­ten Erfül­lung eines Qua­li­fi­ka­ti­ons­merk­mals auch dann noch erfol­gen, wenn der qua­li­fi­zie­ren­de Umstand nach der Tat­voll­endung noch vor­liegt und von dem Hin­zu­tre­ten­den in des­sen Kennt­nis und unter Aus­nut­zung des Erschwe­rungs­grun­des noch auf die Siche­rung des Tat­er­fol­ges gerich­te­te Hand­lun­gen vor­ge­nom­men wer­den.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Nach den Fest­stel­lun­gen dau­er­te die in der Fes­se­lung mit der Kor­del lie­gen­de Gewalt­an­wen­dung durch den ander­wei­tig ver­folg­ten M. im Zeit­punkt der Kennt­nis­er­lan­gung durch den Ange­klag­ten noch an. Dem Urteil lässt sich bereits nicht ent­neh­men, ob die beab­sich­tig­te Weg­nah­me zu die­sem Zeit­punkt bereits voll­endet war oder erst durch das Ver­las­sen des Hau­ses mit der Beu­te voll­endet wur­de [5], der Ange­klag­te also in Kennt­nis und unter Bil­li­gung des qua­li­fi­zie­ren­den Umstands gemein­sam mit sei­nem Mit­tä­ter die Weg­nah­me abschloss. Aber selbst wenn von einer Voll­endung des Rau­bes aus­zu­ge­hen wäre, hät­te die Straf­kam­mer erör­tern müs­sen, ob sich der Ange­klag­te mit dem Ein­satz des Fes­se­lungs­werk­zeu­ges durch den ander­wei­tig ver­folg­ten M. nach­träg­lich kon­klu­dent ein­ver­stan­den erklär­te, als er sich zusam­men mit die­sem aus der Woh­nung des Geschä­dig­ten unter Mit­nah­me der noch nicht end­gül­tig gesi­cher­ten Beu­te zurück­zog und zusätz­lich die Tür zum Wohn­zim­mer ver­rie­gel­te. Die Sache bedurf­te daher neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Sep­tem­ber 2020 – 4 StR 14/​20

Raub - und die sukzessive Mittäterschaft
  1. vgl. BGH, Urteil vom 24.04.1952 ? 3 StR 48/​52, BGHSt 2, 344 [zu § 243 Abs. 1 Satz 2 StGB a.F.]; wei­te­re Nach­wei­se bei Heine/​Weißer in: Schönke/​Schröder, StGB, 30. Aufl., § 25 Rn. 96[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 20.03.2019 ? 2 StR 594/​18, NStZ 2019, 513 Rn. 6; Urteil vom 25.04.2017 – 5 StR 433/​16, NStZ-RR 2017, 221 f.; Beschluss vom 07.03.2016 ? 2 StR 123/​15, NStZ 2016, 524, 525; Urteil vom 18.12.2007 – 1 StR 301/​07, NStZ 2008, 280, 281; Urteil vom 16.12.1980 – 1 StR 580/​80, JZ 1981, 596; Urteil vom 24.04.1952 ? 3 StR 48/​52, BGHSt 2, 344, 346 mwN[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.2017 – 5 StR 433/​16, NStZ-RR 2017, 221 f. [Weg­nah­me nach plan­wid­ri­gem Mes­ser­ein­satz der Mit­tä­ter beim Raub]; Urteil vom 18.12.2007 – 1 StR 301/​07, NStZ 2008, 280, 281 mwN [Weg­nah­me nach plan­wid­ri­gem töd­li­chen Angriff des Mit­tä­ters auf das Raub­op­fer][]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 18.07.2000 ? 5 StR 245/​00, NStZ 2000, 594; Urteil vom 16.12.1980 – 1 StR 580/​80, JZ 1981, 596; krit. dazu Mur­mann in: SSW-StGB, 4. Aufl., § 25 Rn. 39 f. mwN[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 18.02.2010 – 3 StR 556/​09, NStZ 2011, 158 Rn. 10 f.; Urteil vom 06.11.1974 – 3 StR 200/​74, NJW 1975, 320 jew. mwN[]