Rechts­beu­gung – der reni­ten­te Rich­ter

Der Bun­des­ge­richts­hof hat den Frei­spruch eines Amts­rich­ters vom Vor­wurf der Rechts­beu­gung auf­ge­ho­ben.

Rechts­beu­gung – der reni­ten­te Rich­ter

Das Land­ge­richt Erfurt hat in dem von der Staats­an­walt­schaft ange­foch­te­nen Urteil einen Rich­ter am Amts­ge­richt vom Vor­wurf der Rechts­beu­gung frei­ge­spro­chen 1. Die­ser hat­te zunächst in zahl­rei­chen Ver­fah­ren wegen Ver­kehrs­ord­nungs­wid­rig­kei­ten die Betrof­fe­nen durch Beschluss frei­ge­spro­chen, weil von der Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­de weder ein Mess­pro­to­koll noch der Eich­schein für das bei der Ver­kehrs­kon­trol­le ver­wen­de­te Mess­ge­rät zur Akte genom­men wor­den sei. Der Ange­klag­te nahm an, des­halb lie­ge ein Ver­fah­rens­feh­ler im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Behör­de vor, der dazu füh­re, dass das Mess­ergeb­nis für das Gericht nicht nach­prüf­bar sei.

Das Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt hob meh­re­re sol­cher Ent­schei­dun­gen wegen Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht des Gerichts auf. Der Ange­klag­te zog die ver­miss­ten Unter­la­gen aber auch in wei­te­ren Ver­fah­ren nicht selbst bei, son­dern sprach die Betrof­fe­nen wie­der­um frei.

Dies bewer­te­te das Land­ge­richt Erfurt objek­tiv als Rechts­beu­gung; jedoch sei Rechts­beu­gungs­vor­satz nicht fest­zu­stel­len, weil der Ange­klag­te von der Rich­tig­keit sei­ner feh­ler­haf­ten Ansicht über­zeugt gewe­sen sei.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Frei­spre­chung des Ange­klag­ten vom Vor­wurf der Rechts­beu­gung mit der Begrün­dung auf­ge­ho­ben, dass das Urteil durch­grei­fen­de Dar­stel­lungs­män­gel ent­halt. Das Land­ge­richt Erfurt habe Fest­stel­lun­gen zu Umstän­den unter­las­sen oder sol­che Umstän­de unzu­rei­chend dar­ge­legt und erör­tert, aus denen sich wich­ti­ge Anhalts­punk­te für die Fest­stel­lung der sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen des Ange­klag­ten erge­ben könn­ten. Des­halb sei in dem Urteil des Land­ge­richts nicht hin­rei­chend dar­ge­legt, aus wel­chen Grün­den der Vor­satz der Rechts­beu­gung nicht nach­weis­bar gewe­sen sein soll.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Janu­ar 2014 – 2 StR 479/​13

  1. LG Erfurt, Urteil vom 15. April 2013 – 101 Js 733/​12 7 KLs[]
  2. Gesetz vom 17.08.2017, BGBl. I S. 3202[]