Rechts­kräf­ti­ger Schuld­spruch – und die im Raum ste­hen­de Schuld­un­fä­hig­keit

In einem Fall, in dem sich nach Rechts­kraft des Schuld­spruchs auf­grund wei­te­rer Beweis­erhe­bun­gen neue Anhalts­punk­te für die Schuld­un­fä­hig­keit eines Ange­klag­ten zur Tat­zeit erge­ben, ent­fällt nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung – ent­ge­gen einer in der Lite­ra­tur ver­brei­te­ten Auf­fas­sung 1 – nicht die Bin­dung des neu­en Tat­ge­richts an den rechts­kräf­ti­gen Schuld­spruch und die zuge­hö­ri­gen Fest­stel­lun­gen 2.

Rechts­kräf­ti­ger Schuld­spruch – und die im Raum ste­hen­de Schuld­un­fä­hig­keit

Jedoch kann die Fest­stel­lung von Schuld­un­fä­hig­keit nach Teil­rechts­kraft des Schuld­spruchs jeden­falls zur Fol­ge haben, dass das Gericht nur noch die Min­dest­stra­fe ver­hän­gen kann 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. März 2016 – 2 StR 121/​15

  1. vgl. LR/​Franke, StPO, 26. Aufl., § 353 Rn. 31; SK/​Frisch, StPO, 4. Aufl., Vor §§ 296 ff. Rn. 296 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 31.03.1955 – 4 StR 68/​55, BGHSt 7, 283, 287[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 10.10.1958 – 5 StR 377/​58, GA 1959, 305, 306; Roxin/​Schünemann, Straf­ver­fah­rens­recht, 28. Aufl., § 53 Rn.19; a.A. BGH, Anfra­ge­be­schluss vom 12.02.1998 – 4 StR 521/​97, Stra­Fo 1998, 163, 164[]