Rechts­mit­tel gegen Jus­tiz­ver­wal­tungs­ak­te – und das Fortsetzungsfeststellungsinteresse

Trotz Erle­di­gung der ange­foch­te­nen Maß­nah­me liegt die Sach­ent­schei­dungs­vor­aus­set­zung eines Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­ter­es­ses vor, wenn der Beschwer­de­füh­rer ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der ange­foch­te­nen Maß­nah­me (vgl. § 28 Abs. 1 Satz 4 EGGVG) hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt hat.

Rechts­mit­tel gegen Jus­tiz­ver­wal­tungs­ak­te – und das Fortsetzungsfeststellungsinteresse

Es ist aner­kannt, dass ein der­ar­ti­ges Fest­stel­lungs­in­ter­es­se bei Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, fort­wir­ken­der Dis­kri­mi­nie­rung oder tief­grei­fen­den Grund­rechts­ein­grif­fen anzu­neh­men ist; die Absicht der Erhe­bung einer – in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on ohne­hin von gerin­gen Erfolgs­aus­sich­ten gepräg­ten [1] – Amts­haf­tungs­kla­ge soll auf­grund des sub­si­diä­ren Cha­rak­ters des Rechts­zu­ges nach §§ 23 ff. EGGVG (vgl. § 23 Abs. 3 EGGVG) hier­für nach ganz über­wie­gen­der Ansicht indes nicht aus­rei­chen [2].

Ob der letzt­ge­nann­ten Ansicht in den Fäl­len zu fol­gen ist, in dem die Erle­di­gung erst nach der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts ein­ge­tre­ten ist [3], muss der Bun­des­ge­richts­hof hier nicht ent­schei­den. Im Ein­klang mit der Stel­lung­nah­me des Gene­ral­bun­des­an­walts sieht er ange­sichts der in Rede ste­hen­den Sum­me und der wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung des Beschwer­de­füh­rers jeden­falls im vor­lie­gen­den Fall schon in der Antrag­stel­lung als sol­cher – und nicht erst in der spä­te­ren Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens – einen hin­rei­chend tie­fen Grund­rechts­ein­griff [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Juni 2020 – 5 ARs 17/​19

  1. vgl. BGH, Urteil vom 03.10.1961 – – VI ZR 242/​60, BGHZ 36, 18; Pape ZIP 1995, 623[]
  2. vgl. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, 63. Aufl., § 28 EGGVG Rn. 8; LR-StPO/Bött­cher, 26. Aufl., § 28 EGGVG Rn. 9 ff.; Münch­Komm-StPO/Ell­bo­gen, § 28 EGGVG Rn. 11 f.; KK-StPO/­May­er, 8. Aufl., § 28 EGGVG Rn.19 f.; Beck­OK-GVG/­Köhn­lein, § 28 EGGVG Rn. 25, je mwN[]
  3. vgl. May­er, aaO Rn.20: kein Rechts­schutz­in­ter­es­se ledig­lich bei Erle­di­gung „vor“ Stel­lung des Antrags nach § 23 EGGVG; vgl. auch BFH/​NV 2010, 1122[]
  4. vgl. zur Rele­vanz der Aus­wir­kun­gen bereits der Antrag­stel­lung auch BSGE 45, 109[]

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