Rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung – und die Urteils­grün­de

Der Tatrich­ter hat Art und Aus­maß der Ver­zö­ge­rung sowie ihre Ursa­chen zu ermit­teln und im Urteil kon­kret fest­zu­stel­len 1.

Rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung – und die Urteils­grün­de

Der sach­lich­recht­lich zu for­dern­de Erör­te­rungs­be­darf darf aber mit Rück­sicht auf die vie­len denk­ba­ren Ver­fah­rens­vor­gän­ge, die für die Ent­schei­dung eine Rol­le spie­len kön­nen, nicht über­spannt wer­den.

Es reicht des­halb aus, wenn das Revi­si­ons­ge­richt anhand der Aus­füh­run­gen im Urteil im Sin­ne einer Schlüs­sig­keits­prü­fung nach­voll­zie­hen kann, ob die fest­ge­stell­ten Umstän­de die Annah­me einer rechts­staats­wid­ri­gen Ver­zö­ge­rung im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 Satz 1 EMRK tra­gen und sich die Kom­pen­sa­ti­ons­ent­schei­dung inner­halb des dem Tatrich­ter inso­weit ein­ge­räum­ten Bewer­tungs­spiel­raums hält 2.

Die Kom­pen­sa­ti­ons­ent­schei­dung des Gerichts hat ins­be­son­de­re alle sich für den Ange­klag­ten aus der rechts­staats­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung erge­ben­den Belas­tun­gen in sei­nen Wer­tungs­akt ein­be­zie­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. August 2016 – 1 StR 196/​16

  1. BGH, Beschluss vom 17.01.2008 – GSSt 1/​07, BGHSt 52, 124, 146[]
  2. BGH, Beschluss vom 01.06.2015 – 4 StR 21/​15 Rn. 15, NStZ 2015, 540; Urtei­le vom 12.02.2014 – 2 StR 308/​13 Rn. 30, NStZ 2014, 599; und vom 23.10.2013 – 2 StR 392/​13 Rn. 9, NStZ-RR 2014, 21[]